Europa und die Europäische Union sind in Österreich seit dem Beitritt im Jahr 1995 anscheinend «Reizworte» geworden. Erwarteten sich viele Österreicher vor dem Beitritt fast Wunder von der Mitgliedschaft in der EU – zumindest aber den «Ederer-Tausender» – so ist die Europäische Union heute undifferenziert zur Ursache und zum Symbol geworden für vieles, was Menschen in Österreich ängstigt oder ärgert: Migration, Kriminalität, Bürokratie, Wirtschaftskrise, Preissteigerungen, sozialer «Kälte», Verlust von Identität und Werten.
Welche dieser Probleme sind «hausgemacht», welche sind «europäisch» ? Sind «EU» und «Globalisierung» so einfach in einen Topf zu werfen ? Ist die Europäische Union wirklich die Ursache für diese Probleme, oder ist sie ein geeignetes Instrument, diesen Schwierigkeiten die Stirn zu bieten ?
Mit dem «Lissabon-Vertrag», der am 1. Dezember 2009 in Kraft tritt, erhalten die Kirchen und Religionsgemeinschaften erstmals die Möglichkeit, mit den Institutionen der Europäischen Union direkt in einen Dialog zu treten. Welchen Beitrag können die Kirchen in diesem Dialog leisten, um die Ängste und Befürchtungen der Bürger auf politischer Ebene Gehör zu verschaffen? Sind wir als Christen ausreichend vertraut mit der Europäischen Union und ihren politischen Mechanismen ? Wie können wir unsere «christliche Verantwortung» für Frieden, Gerechtigkeit und Verantwortung für die Schöpfung wirkungsvoll in den politischen Prozess übersetzen ? Was dürfen wir von der EU erwarten – und was darf die EU von politisch wachen und selbstbewussten Christen erwarten ?
Viele Fragen, auf die es keine «fertigen Antworten» gibt, die uns aber einladen, über sie nachzudenken und unsere eigenen Strategien im Umgang mit den europäischen Institutionen zu entwickeln und aktiv zu werden.
Vortrag mit Diskussion
Referent:
Drs. Michael Kuhn
(* 1958) studierte Theologie und Kommunikationswissenschaft in Wien und Amsterdam. Er ist Referent der Österreichischen Bischofskonferenz für Europäische Angelegenheiten und stellvertretender Generalsekretär der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaften (COMECE) in Brüssel.
In diesem Zusammenhang beschäftigt er sich mit Fragen der europäischen Integration und der Politik der Europäischen Union.
Kontakt:Mag.a Elisabeth Ohnemus oder office@bildungswerk.at
(red)