Script zur Bildvergrößerung.
Macht den Ohnmächtigen - Die Rolle der Befreiungstheologie in politischen Prozessen

Anfang der 60er-Jahre entstand aus der Selbstorganisation von christlichen Basisgemeinden in Lateinamerika die Befreiungstheologie. Von Armut und Unterdrückung Betroffene entwickelten sie aus sich selbst heraus, indem sie in der Bibel ihr ureigenstes Thema, die Befreiung aus jeder Form der Sklaverei, wiederentdeckten und daraus politische Forderungen für ihre Realität ableiteten.
Von Wissenschafter/innen, Theolog/innen und Autor/innen wurde diese Richtung der christlichen Theologie aufgenommen, um die Betroffenen zu unterstützen, ihnen Sprachrohr zu sein. Zahlreiche Befreiungstheolog/innen sind seit den 60er-Jahren als treibende politische Kräfte in Erscheinung getreten, darunter der brasilianische Menschenrechtsaktivist Leonardo Boff, der Priester, Dichter und spätere Kulturminister der sandinistischen Regierung in Nicaragua Ernesto Cardenal, Oscar Romero, der Erzbischof von El Salvador, der 1980 von rechtsextremen Todesschwadronen während einer Messe ermordet wurde. Aber auch in Südafrika und einigen Ländern Asiens entwickelte sich die Befreiungstheologie, undn eine Reihe prominenter Theolog/innen im deutschsprachigen Raum waren/sind bemüht, die Grundidee der Befreiungstheologie auch für die reichen Kirchen Europas geltend zu machen, darunter der Österreicher Erwin Kräutler, Johann Baptist Metz, Jürgen Moltmann, Dorothee Sölle, Helmut Gollwitzer, Norbert Greinacher oder Ulrich Duchrow: Strukturen der Gewalt, die eine Ungleichverteilung verursachen, gilt es auch im reichen Norden offenzulegen und zu bekämpfen, national und insbesondere im Blick auf die globale Vernetzung von Wirtschaft und Macht. Die Befreiungstheologie hat viele neue soziale Initiativen in Lateinamerika, Südafrika und Südasien, aber auch – zu deren Unterstützung – in der westlichen Welt begründet, was sich in der zunehmenden Aufmerksamkeit für Themen der „einen Welt“ zeigt (Menschenrechte – u.a. Ökologie, nachhaltiger Umwelt-, Klimaschutz).
Jüngstes Beispiel für einen befreiungstheologisch Bewegten, der ein politisches Amt angenommen hat: der frühere Armenbischof Fernando Lugo, kürzlich gewählter Präsident von Paraguay.

Ziele:
Information über Entwicklung, Strategie und Wirkung der Befreiungstheologie (u. a. Befreiungstheologie als Anstoß zu zivilem Ungehorsam, zu zivilgesellschaftlichem Engagement und politischem Widerstand)
Reflexion der Befreiungstheologie vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen wie der Globalisierung und wachsenden Ungleichverteilung national wie international
Reflexion der Befreiungstheologie vor dem Hintergrund persönlicher Erfahrungen
Eröffnung von Zugängen zu persönlichem/gemeindlichem Engagement auf der Grundlage eines befreiungstheologischen Verständnisses aktueller Gegebenheiten in Politik und Gesellschaft

Vortrag mit Gespräch

(red)

Vergößern: STRG ++
Verkleinern: STRG +-

©noe.gv.at
©www.wien.gv.at
©bmukk.gv.at
©weiterwissen.at
© EDW