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Selber schuld!? - Ursachen der Überschuldung in Österreich und was Betroffene, Eltern, Bildungseinrichtungen und Politiker/innen tun können

Überschuldet, also nicht mehr fähig, die aufgelaufenen Schulden aus dem aktuellen Einkommen zurückzuzahlen, sind nach Schätzung der österreichischen Schuldnerberatungsstellen mittlerweile 300.000 Haushalte, was einer Betroffenenzahl von ungefähr 1 Million entspricht – genau jener Zahl, die die von Armut Betroffenen und Bedrohten in Österreich beschreibt.

Die Zahlen sind geschätzt, weil es keine wissenschaftliche Befassung mit dem Thema gibt, die Schuldnerberatungen verzeichnen jedenfalls sprunghafte Anstiege in den letzten zehn, fünfzehn Jahren. Überschuldet sind hauptsächlich Menschen mit niedrigem Einkommen und geringer Bildung. Eine Ursache des Phänomens wird daher in den Veränderungen des Arbeitsmarktes gesehen, in der wachsenden Zahl atypischer, prekärer Beschäftigungsverhältnisse, aber auch in der negativen Lohnentwicklung für Niedrigeinkommensbezieher/innen. Dazu kommt eine Rechtslage, die nach Meinung von Expert/innen Kreditgeber stark begünstigt – die „Drittschuldneranfrage“, weltweit einzigartig und von Datenschützer/innen für bedenklich eingestuft, ermöglicht einen unkomplizierten Zugriff auf den Lohn eines/r Überschuldeten, Lohnpfändungen führen meist aber zu Kündigungen, der/die Betroffene gerät in eine unheilvolle Spirale, aufgrund der hohen Zinsen oft in lebenslange „Schuldknechtschaft“. Weitere österreichische Spezialität: der großzügige Umgang von Banken mit dem Girokontoüberziehungsrahmen – die permanente Überziehung, der meist Umschuldungskredite folgen, gilt bei Schulnderberater/innen als „Einstiegsdroge“ in die Schuldenkarriere. Internationale Wissenschafter/innen, die sich mit dem Phänomen der Überschuldung befassen, fordern unter dem Schlagwort „verantwortungsvolle Kreditvergabe“ Kredit- und Gesetzgeber dazu auf, an die neuen sozialen Verhältnisse (prekäre Beschäftigungen, Scheidungen, immer wiederkehrende Phasen der Arbeitslosigkeit…) „angepasste Kredite“ zu kreieren. In Österreich ist das bisher nicht auf Widerhall gestoßen, allerdings tut sich einiges hierzulande, was „finanzielle Allgemeinbildung“ betrifft, insbesondere im Bereich der Jugendprävention – eine weitere Forderung von Expert/innen. Ihre grundsätzliche Forderung: ein Zusammenwirken mehrerer Politikfelder gleichzeitig (Arbeitsmarkt,- Bildungs-, Sozial-, Wirtschafts-, Finanz-, Konsument/innenschutzpolitik).

Ziele:
ein tabuisiertes Thema öffentlich und besprechbar machen
Vermittlung von Einsicht in strukturelle Bedingungen von Überschuldung
Sensibilisierung für die Unterscheidung von struktureller Bedingtheit von Überschuldung einerseits und individueller Schuldhaftigkeit andererseits
Einführung in das Konzept der „finanziellen Allgemeinbildung“ (Betreiber, Adressaten, Strategien,…)
Reflexion der Rolle von Pfarrgemeinden als Akteure bei der finanziellen Allgemeinbildung (Handlungsstrategien, Kooperationen mit Schulen, Jugendgruppen, Familiengruppen…)
Bewusstsein wecken für die Wahrnehmung und für einen adäquaten Umgang mit von Überschuldung Betroffenen
Zugänge zu Hilfseinrichtungen nennen und eröffnen
Verständnis schaffen für die politische Dimension des Phänomens und die Möglichkeiten, auf politischer Ebene einzugreifen

Vortrag mit Gespräch 

(red)

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