Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat tiefe Auswirkungen auf unseren Alltag. Je mehr wir uns über das Ausmaß der Krise bewusst werden, umso mehr drängt sich die Frage auf, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Was waren die Gründe für diese weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise? Waren es Gier, Maßlosigkeit und Ignoranz? Wahrscheinlich, aber das erklärt noch nicht, warum niemand dagegen eingeschritten ist, als noch Zeit gewesen wäre. Vermutlich liegen die eigentlichen Ursachen noch tiefer, nämlich auf der Ebene der allgemeinen Vorstellungen, Bilder und Erwartungshaltungen in Hinblick auf das Finanzgeschehen und der auf den Finanzmärkten herrschenden Bedingungen und Regeln. Vor allem über die Medien und über die Werbung, aber auch von den Finanzakteuren selbst wurden Bilder und Eindrücke vermittelt, die sich nun, vor dem Hintergrund der Finanzkrise, zunehmend als Mythen herausstellen.
Mit dem Wort „Finanzmarkt“ assoziieren wir modernste Technik, Seriosität und Präzision – um nur einige Bilder zu nennen. Alles ist berechenbar, kalkulierbar und „der Markt“ reguliert sich am besten selbst. Wer schnell, clever, fleißig und geschickt genug ist, kann durch Spekulationen am Finanzmarkt reich werden – es kommt nur darauf an, zur richtigen Zeit die richtigen Entscheidungen zu fällen. Ist das tatsächlich so? Was passiert wirklich auf dem Finanzmarkt? Welche Geschäfte werden dort betrieben und wie entstehen die Gewinne? Vor allem: wer sind die Verlierer?
In der Reflexion der Ursachen der Krise werden viele Mythen sichtbar. Es geht heute darum, diese Mythen aufzudecken, um ein realistisches Bild der Abläufe und Verhältnisse am Finanzmarkt zu erhalten. Darauf aufbauend können Maßnahmen getroffen werden, die dazu beitragen, derartige Finanzkrisen in Zukunft zu verhindern.
Vortrag mit Diskussion
Referent:
Dr. Klaus Gabriel
geboren 1967, war 10 Jahre Bankkaufmann mit Arbeitsschwerpunkt Geldanlage und Vermögensverwaltung und ist nunmehr Sozial- und Wirtschaftsethiker am Institut für Sozialethik der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. Seine Lehr- und Forschungsschwerpunkte sind Wirtschaftsethik, Ethik des Finanzmarktes, Nachhaltigkeit sowie ethische und nachhaltige Geldanlagen. Daneben konzipiert und leitet er zu diesen Themen Lehrgänge und Workshops und berät institutionelle InvestorInnen zu ethischen Aspekten in der Geldanlage. Seit 2005 ist er Mitglied der Projektgruppe Ethisch-Ökologisches Rating an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main, seit 2007 ist er Vorstandsvorsitzender des Corporate Responsibility Interface Center (CRIC), einer Plattform für ethisch orientierte InvestorInnen mit Sitz in Frankfurt am Main.
Kontakt: Mag.a Elisabeth Ohnemus oder office@bildungswerk.at
(red)