Mit der Finanzkrise wird immer mehr bewusst, dass Vieles in Wirtschaft und Finanzwelt nicht so läuft, wie es laufen sollte. Unverständnis, Wut und Resignation sind häufige Reaktionen auf die Erkenntnis, dass wirtschaftliche Wertschöpfung oft mit sozialer Ungerechtigkeit und ökologischer Zerstörung einhergeht. Dabei ist es wichtig zu erkennen, dass unsere Lebenswelt nicht bloß einem Naturgesetz folgt, sondern das Ergebnis gesellschaftlicher, politischer, technischer und wirtschaftlicher Prozesse ist. Diese Prozesse sind weder abgeschlossen noch unumkehrbar, sondern im Gange. Von daher wird auch deutlich, dass es an uns liegt, unsere Welt zu gestalten. Konkret können wir das in vielfältiger Weise als kritische BürgerInnen, KonsumentInnen – und als InvestorInnen.
Der bewusste und verantwortliche Umgang mit Geld wird immer wichtiger. Es macht einen Unterschied, wohin Geld fließt: Geld kann zerstörerisch sein, aber auch Gutes bewirken. Ziel der ethischen Geldanlage ist es, Produkte, Produktionsverfahren, Dienstleistungen und Wirtschaftsweisen zu fördern, die sozial und ökologisch verantwortlich sind. Im Gegenzug vermeidet die ethische Geldanlage eine Beteiligung an Investitionen, die gesellschaftlichen und ökologischen Schaden anrichten. Das Ziel ist es, wirtschaftliche Prozesse zu verändern und nachhaltige Wirtschaftsweisen zu forcieren. In der Geschichte des ethischen Investments gibt es zahlreiche Beispiele, wie ethisch orientierte InvestorInnen das Handeln von Wirtschaftakteuren beeinflussen konnten. Dabei kommen verschiedene Strategien, Formen und Möglichkeiten des ethischen Investments zum Einsatz wie etwa der Dialog mit Unternehmen zur Bewusstmachung von schädlichen Wirtschaftweisen und der Entwicklung von Lösungsstrategien.
Für die GeldanlagerInnen ist es wichtig zu wissen, wo und wie sie ethisch verantwortlich Geld anlegen können. Dazu gehört es auch ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, welche sozialen und ökologischen Auswirkungen ein Sparbuch, eine Anleihe, eine Aktie, ein Investmentfonds oder sonstige Anlagemöglichkeiten haben. Das Erkennen von Zusammenhängen ist der erste Schritt zur Veränderung von Situationen.
Vortrag mit Diskussion
Referent:
Dr. Klaus Gabriel
geboren 1967, war 10 Jahre Bankkaufmann mit Arbeitsschwerpunkt Geldanlage und Vermögensverwaltung und ist nunmehr Sozial- und Wirtschaftsethiker am Institut für Sozialethik der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. Seine Lehr- und Forschungsschwerpunkte sind Wirtschaftsethik, Ethik des Finanzmarktes, Nachhaltigkeit sowie ethische und nachhaltige Geldanlagen. Daneben konzipiert und leitet er zu diesen Themen Lehrgänge und Workshops und berät institutionelle InvestorInnen zu ethischen Aspekten in der Geldanlage. Seit 2005 ist er Mitglied der Projektgruppe Ethisch-Ökologisches Rating an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main, seit 2007 ist er Vorstandsvorsitzender des Corporate Responsibility Interface Center (CRIC), einer Plattform für ethisch orientierte InvestorInnen mit Sitz in Frankfurt am Main.
Kontakt: Mag.a Elisabeth Ohnemus oder office@bildungswerk.at
(red)