571.000 Frauen in Österreich – das sind 14 % - leben laut Sozialbericht unter der Armutsgrenze. Alleinerziehende sind mit 31 % noch stärker armutsgefährdet. Mindestens 6 % der Frauen leben in akuter Armut.
Bei dieser Veranstaltung geht es darum, die Gründe für Frauenarmut darzulegen (schlechtere Bildungsmöglichkeiten, erschwerter Zugang zum Arbeitsmarkt, unzureichende Kinderbetreuungsmöglichkeiten, Pflegezuständigkeit für kranke Familienangehörige, psychische/physische Krankheiten…) sowie die Auswirkungen in Form von Erfahrungen des Mangels (kein Geld zum Heizen, keine Schulausflüge für die Kinder, keine Möglichkeiten der kulturellen und politischen Partizipation…). In einem zweiten Schritt geht es darum, deutlich zu machen, daß Armut bekämpft werden kann, indem Verwirklichungschancen erhöht werden. Materielle Ressourcen, soziale Netzwerke, Vor- und Fürsorge sind Stichpunkte, die die vordringlichsten Notwendigkeiten in diesem Kampf umreißen. Konkrete Maßnahmen, die vor diesem Hintergrund entfaltet und vermittelt werden: materielle Mindestsicherung von Frauen (Löhne und Sozialleistungen in existenzsichernder Höhe, individueller Zugang zu Sozialleistungen), Zugang zu qualitätvollen sozialen Dienstleistungen und Gütern (Bildung, Gesundheit, Verkehr (Mobilität), Kinderbetreuung), Qualität- und sinnvolle Arbeitsmarktpolitik (adäquate Löhne und Arbeitsbedingungen, Bildungsmaßnahmen, die Handlungskompetenzen stärken, also über rein fachliche Qualifizierung hinausgehen; Ausbildung und Arbeitsplätze, die Respekt und Perspektive bieten, Arbeitszeitverkürzung). Plädiert wird für ein Perspektivenwechsel - auf der Ebene von Ökonomie und Politik: von der profitorientierten Monokultur der Erwerbsarbeitsgesellschaft hin zu einer Ökonomie für die Menschen und einer Politik, die ihrer Vermittlungsaufgabe im Sinne der Sorge um eine gutes Leben aller Menschen nachkommt. Im Blick auf das vorherrschende Menschen- und Weltbild: vom Mythos des autonomen Individuums zur Bedürftigkeit als menschlichen Normalzustand und damit zur Erkenntnis, dass alle Menschen sowohl der Unterstützung und Sorge anderer bedürfen als auch als Sorgende tätig sein können und sollen.
Referentin:
Dr.in Michaela Moser
Theologin, Ethikerin, Sozialexpertin, Vizepräsidentin des Europäischen Armutsnetzwerkes (EAPN), Mitarbeiterin des Netzwerkes Frauenarmut der Österreichischen Armutskonferenz, u.a. Autorin des Buches „Wege aus der Frauenarmut“, Peter Lang-Verlag, Frankfurt am Mai/New York 2004
Kontakt: Mag.a Elisabeth Ohnemus oder office@bildungswerk.at
(red)