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Begegnung und Befreiung. Dialog als Weg der Mission

"Eine Kirche, die nicht missionarisch ist, existiert nicht" – so die Worte von Kardinal Aloisio Lorscheider. Allein: was heißt da „missionarisch"? „Mission" ist ein Begriff, der heute oftmals negativ besetzt und mit vielerlei Klischees behaftet ist. Dabei hat das katholische Missionsverständnis im II. Vatikanischen Konzil und in darauffolgenden lehramtlichen Dokumenten große Veränderungen erfahren. Die Kirche hat nicht mehr „Missionen" im Sinn von geografischen Gebieten – vielmehr ist sie „ihrem Wesen nach ´missionarisch´ (als Gesandte unterwegs), weil sie selbst ihren Ursprung aus der Sendung des Sohnes und der Sendung des Heiligen Geistes herleitet gemäß dem Plan Gottes des Vaters" (AG 2 – was heißt das?). Kurz gesagt: Mission ist Teilhabe an der Sendung Gottes und der Dienst an seinem Reich der Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens. Die Kirche steht im Dienst dieser Sendung. Die Mission ist ihr Existenzgrund, ihr eigentlicher Selbstvollzug. Kirche gibt es, weil es Mission gibt. Eckpunkte des neuen Verständnisses von Mission sind
- die Anerkennung der Religionsfreiheit
- eine wertschätzende dialogische Haltung anderen Religionen und Kulturen gegenüber
- eine ganzheitliche Sicht des Menschen
- der Vorrang des Glaubenszeugnisses vor der ausdrücklichen Wortverkündigung.
Wurde früher Mission oft gegen jemanden betrieben, so geht es heute um Mission mit allen jenen, die sich für die Werte des Evangeliums – für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung – einsetzen.
Die Steyler Missionare haben diesen Veränderungsprozess im Verständnis von Mission mitgetragen und mitvollzogen. In Asien lernten sie den „respektvollen, ja ehrfürchtigen Dialog mit jahrtausendealten und anderen religiösen Tradition" (P. Franz Helm, SVD), in Afrika und Ozeanien wurden sie konfrontiert mit kulturellen Gegebenheiten, „die eine tiefgreifende Inkulturation des Evangeliums verlangten" (Helm): „In Lateinamerika machten wir den Schrei unterdrückter Völker nach Menschenwürde und Befreiung zu unserem eigenen Anliegen", in Westeuropa erlebten sie die Entkirchlichung vieler Menschen, oft verbunden mit intensiver spiritueller Suche. Aus diesen unterschiedlichen Kontexten heraus gelangten die Steyler Missionare dahin, Mission zunehmend als „prophetischen Dialog" zu begreifen – mit Menschen anderer Religionen, anderer Kulturen, mit Armen und Unterdrückten sowie mit Suchenden. Helm: „Prophetisch" ist der Dialog, weil wir um die biblische Offenbarung wissen und wir uns von dieser Perspektive her für den Aufbau des Reiches Gottes einsetzen. Dabei ist aber unsere Überzeugung, daß Gott immer schon am Wirken ist im Einsatz vieler Menschen und Gruppierungen, und daß unsere Mission... Mitarbeit an der Mission Gottes ist, die auch schon von Menschen anderer Kulturen und Religionen praktiziert wird."
Teil des Vortrags zu diesem Thema des „Dialogs als Weg der Mission" ist die Präsentation des Projektes „bilum" der Steyler Missionare. Mit der neu gegründeten Zeitung „bilum. für weltoffene christInnen" haben sie im Mai 2009 ein Themen- und Methodenheft vorgelegt, das brisante Fragestellungen in einer kompakten Form aufbereitet und neben allgemeinen Informationen auch Materialien und Methoden für eine Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema in Schule, Gemeinde und Erwachsenenbildung mitliefert. Nähere Informationen: www.bilum.at
(bilum heißt in Papua-Neuguinea das Tragnetz, mit dem Frauen Lasten befördern – für die Steyler Missionare ein Bild für zeitgemäße Mission: „So will christliche Mission die großen Herausforderungen in der Welt aufgreifen und die Suche nach Veränderung mittragen" (Helm))

(red)

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