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Gleich, gleicher, ungleich - Wie die ungleiche Verteilung von Reichtum, Ressourcen und Rechten Frauen trifft und aktiviert
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Vor der ungleichen Verteilung von Reichtum, Ressourcen, Rechten und Wahlmöglichkeiten für Menschen können wir seit der Globalisierung die Augen nicht mehr verschließen. Wirtschafts- und Finanzkrise tun ein übriges, heben verzerrte Machtverhältnisse und die prekäre Situation vieler Menschen auf dieser Welt noch schärfer ins Licht. Angesichts dieser Situation ist es unumgänglich, Gleichstellungs- und Entwicklungspolitik einer kritischen Prüfung zu unterziehen. So stellt sich etwa die Frage, inwieweit die politische und wirtschaftliche Allianz von Frauen aus der Mittelschicht mit den herrschenden Kräften durchbrochen werden kann, wie es möglich werden kann, neue, von Verantwortungsbewusstsein geleitete Allianzen zu schmieden.

Tagung
am Freitag, 9. März 2012, 16.00 – 21.00 Uhr
im Pfarrzentrum Wolkersdorf, Kirchenplatz  1, 2120 Wolkersdorf

 Buffet
 Um Anmeldung wird gebeten unter anmeldung@bildungswerk.at

Eine gemeinsame Veranstaltung von Katholischem Bildungswerk Wolkersdorf, Katholischem Bildungswerk Wien, Katholischer Frauenbewegung der Erzdiözese Wien, WIDE (Netzwerk Women in Development Europe), JOAN ROBINSON (Verein zur Förderung frauengerechter Verteilung ökonomischen Wissens) und der Stadtgemeinde Wolkersdorf
Die Veranstaltung ist gefördert aus Mitteln der Österreichischen Gesellschaft für politische Bildung

Folder der Veranstaltung als pdf zum Download

Fotos "Gleich, gleicher, ungleich" als pdf zum Downlaod hier...

Bericht zur Veranstaltung

Tagung „Gleich – gleicher – ungleich" aus Anlass des Internationalen Frauentags, 9.3.2012 von 16-21h in Wolkersdorf

Der Vortrag „Gleich – gleicher – ungleich. Wie (be)trifft uns Frauen die Verteilungsfrage?" von Christa Wichterich (Soziologin, Autorin, Beraterin für Entwicklungszusammenarbeit) gab zu Beginn der Tagung einen anschaulichen und nüchternen Befund der wirtschaftlichen und politischen Situation von Frauen in Europa und im globalen Zusammenhang. Frauen tragen einen Großteil der Verantwortung und Arbeitslast für die grundsätzliche Versorgung und Pflege der Menschen. Sie können jedoch aufgrund der hierarchischen Machtstrukturen, an deren entscheidenden Stellen meistens Männer - ohne das Bewusstsein für die Wichtigkeit der Frauenarbeit - sind, kaum die ungleiche Aufteilung von Ressourcen und Machtbefugnissen beeinflussen. Damit ist die soziale Sicherheit und soziale Gerechtigkeit massiv gefährdet.

Christa Wichterich zeigte auf, dass das allgegenwärtige Motto der Gewinnmaximierung und Effizienzsteigerung die moralischen Prinzipien der Versorgung und den Anspruch aller Menschen auf Bedürfnisbefriedigung verdrängt. Ein Beispiel sind die Frauen, die aus der Versorgungsnotwendigkeit für ihre Familien in Billiglohnjobs gedrängt werden. Durch den niedrigen Lohn ermöglichen sie zwar die Wettbewerbsfähigkeit der Firmen, können die ausreichende Versorgung für sich und ihre Familien aber erst recht nicht garantieren.

Ihre Forderung: Es gilt, zum Prinzip der Kooperation zurückzukehren und den Prinzipien des Marktes (Kostensenkung, Wachstum, Gewinn) eine natur- und menschenverträgliche Ökonomie entgegenzusetzen. Weiters muss der ungeregelte, unkontrollierte Handel mit risikoreichen Finanzmarktprodukten und mit den unvorstellbaren Geldsummen auf den Finanzmärkten eingedämmt werden. Eine weitere Notwendigkeit ist die Wiederherstellung eines sicheren Rahmens für ein gutes Leben für alle - mit den demokratischen Mitteln der Politik.

Die drei auf den Vortrag folgenden Workshops beschäftigten sich im Detail mit Wirtschaftssektoren und der Verteilung von Profit, Steuern und Abgaben, sowie mit den Faktoren Arbeit, Zeit, Geld im täglichen weiblichen Wirtschaftshandeln in Österreich und Afrika und mit den Bedingungen für ein individuelles Glücksempfinden und Lebenszufriedenheit.

Im Workshop 1 behandelte Edith Schnitzer, Ethnologin und Projektreferentin der Dreikönigsaktion für Tanzania und Südafrika, das Thema der Wertschätzung für

Frauenarbeit und diskutierte mit den Teilnehmerinnen über die Rolle von österreichischen und afrikanischen Frauen als Produzentinnen in der Subsistenzwirtschaft und Versorgungsökonomie. Die Frage nach unserem Umgang mit Geschlechtergerechtigkeit wurde durch die Perspektive afrikanischer Frauen bereichert.

Im Workshop 2 präsentierte Elisabeth Moder, Projektreferentin für Menschenrechte, Zivilgesellschaft und Gender bei HORIZONT 3000, einer österr. Organisation der Entwicklungszusammenarbeit, ihre Arbeit zu „Feminismus und Glücksvorstellungen" und erläuterte mit den interessierten Frauen Bedingungen für Lebenszufriedenheit und Glück von Frauen in öffentlicher und privater Sphäre.

Die Pflege der sieben Charakterstärken Neugierde, Enthusiasmus, Dankbarkeit, Beziehungsfähigkeit, Humor, Ausdauer und Optimismus ist gemäß der Positiven Psychologie für die persönliche Lebenszufriedenheit wichtig und führt im Zusammenhang mit Gemeinschaftssinn auch zu gerechteren und glücklicheren Gesellschaften, so das Fazit des Workshops.

Im Workshop 3 präsentierten Traude Novy, Erwachsenenbildnerin, Vorstandsmitglied bei Fairtrade Österreich, WIDE Österreich und dem Verein JOAN ROBINSON, und Barbara Schöllenberger, Literaturwissenschafterin, Erwachsenenbildnerin und Mitautorin von „Kassasturz" und „Wirtschaft anders denken", den Ansatz der Feministischen Wirtschaftsalphabetisierung. Das 5-Sektoren-Modell der Gesamtwirtschaft diente als Ausgangspunkt, bezahlte und unbezahlte Frauenarbeit sichtbar zu machen und Wirtschaft in Zusammenhang mit der eigenen Lebensrealität zu sehen. Interaktive Übungen und anschauliche Darstellungen von Wirtschaftsbereichen, in denen Profit gemacht wird und aus denen Steuern und Abgaben gezahlt werden, machten den Teilnehmerinnen ihre eigene Position als Wirtschafts-Akteurinnen klar und zeigten die unverzichtbare Rolle des Staates als Wirtschaftssektor.

In der abschließenden Podiumsdiskussion mit den Workshopleiterinnen berichtete Bürgermeisterin DI Anni Steindl, Wolkersdorf, von den positiven Auswirkungen von gezielter Frauenförderung und der notwendigen Zusammenarbeit von Frauen und Männern, um ein gutes Miteinander im Ort und in der Region zu ermöglichen. Sie betonte auch die Wichtigkeit, Frauen mit ihren vielfältigen Kompetenzen in alle Entscheidungs- und Gestaltungsebenen von Politik und Wirtschaft einzubeziehen. Die steigende Anzahl von Gemeindemandatarinnen und Unternehmerinnen und das große Interesse an Kooperationen, Vernetzungen und frauenspezifischen Veranstaltungen zeigen die Tendenz zum konstruktiven Miteinander in der Region. Die selbstverständliche Finanz- und Entscheidungsstärke von Frauen wurde auch anhand des Themas der Mikrokredite für Frauen in Nord und Süd positiv hervorgehoben.

Zahlreiche Diskussionsbeiträge aus dem Publikum bewiesen die brennende Aktualität des Themas Verteilungsgerechtigkeit und unterstrichen als Lösungsansätze die dringende Finanzmarktregulierung, die Solidarität mit den Akteurinnen der Sorgeökonomie und eine ressourcenschonende verantwortungsvolle ökologische Ökonomie.

Für das leibliche Wohl am Buffet sorgten die Frauen der Pfarrgemeinde Wolkersdorf, zur umfassenden Information trugen außerdem ein Stand mit Fairtrade Produkten, Informationsmaterialien die Stadtgemeinde und der örtliche Buchhändler Hans Sterzinger mit einem Büchertisch zum Thema bei.

Text: Barbara Schöllenberger, www.netzwerkerin.at, 19.3.2012

(red)


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