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Seit Herbst 2008
dominieren Finanz- und Wirtschaftskrise das politische Geschehen auf vielerlei Ebenen. Die Auswirkungen sind massiv, der Reformbedarf ist
hoch. Dennoch scheinen sich tradierte Vorgangsweisen am Finanzmarkt wie in
der Wirtschaft weitgehend fortzusetzen, werden Regulative nur sehr zögerlich
diskutiert oder gar eingesetzt. Die Auseinandersetzungen um Managergehälter
sind wieder in den Hintergrund gerückt, zur Debatte stehen dafür Sparpakete,
um das zu finanzieren, was an Erste-Hilfe-Maßnahmen an Wirtschaft und
Industrie geflossen ist.
Wie es auch anders gehen
kann, bleibt aber eine höchst brisante Frage, der hauptsächlich außerhalb
der etablierten Politik nachgegangen wird: in der Zivilgesellschaft, in
Kirchen und teilweise in der Forschung. Nachgedacht wird dort über
Regulierungen des bestehenden Systems ebenso wie über gänzlich neue
Organisationssysteme von Wirtschaft und Finanzen. „Solidarisches
Wirtschaften“ ist in diesem Zusammenhang ein Schlagwort, das nicht neu ist,
aber unter den gegebenen Umständen wieder mehr Aufmerksamkeit auf sich
zieht: Wirtschaften unter dem Vorzeichen der Kooperation statt der
Konkurrenz, des Gemeinwohls statt des Eigennutzens, der
Bedürfnisbefriedigung statt der Gewinnmaximierung. Eine große Bandbreite an
Projekten und Initiativen findet sich unter diesem Schlagwort –
Genossenschaften ebenso wie selbstverwaltete oder anderweitig demokratisch
geführte Betriebe, Projekte im Bereich free software oder freier
Wissensvermittlung, ethisches banking, Kostnixläden,
subsistenzwirtschaftliche Initiativen oder alternative Währungen und
Tauschringe. Wie sich bei näherem Hinsehen zeigt, wurzeln erstaunlich viele
dieser Projekte in christlichem Gedankengut bzw. ganz konkret der
katholischen Soziallehre.
Bei den 14.
Theologischen Sommertage soll es darum gehen, ein anderes Wirtschaften auf
der Grundlage des Prinzips der Kooperation anzuschauen und als Alternative
zum herkömmlichen, krisenhaften System zu bedenken (Bernhard Mark-Ungericht:
Wettbewerb oder Miteinander?), ein herausragendes Beispiel solidarischen
Wirtschaftens näher kennenzulernen (Astrid Hafner: Erfolgsgeschichte
Mondragon) und sich mit der katholischen Soziallehre als Ausgangspunkt dafür
auseinanderzusetzen (Markus Schlagnitweit: Anders wirtschaften als
Christ/in).
Montag, 30.8.2010
Bernhard Mark-Ungericht
Wirtschaftsethiker, Univ.-Prof. am Institut für internationales Management
der Universität Graz
Wettbewerb oder Miteinander?
Auf welche Grundlagen stellen wir unsere Wirtschaft?
Dienstag, 31.8.2010
Astrid Hafner
Soziologin, Forschungsarbeiten zum Genossenschaftsnetzwerk Mondragon
Erfolgsgeschichte Mondragon
5 Arbeiter und 1 Priester einst, 100.000 Beschäftigte heute: ein baskisches
Genossenschaftsnetzwerk zeigt, wie es anders geht
Mittwoch, 1.9.2010
Markus Schlagnitweit
Theologe und Sozialwissenschaftler, Mitarbeiter der Katholischen
Sozialakademie Österreichs
Anders wirtschaften als Christ/in
Die christliche Soziallehre als Ausgangspunkt für solidarisches
Wirtschaften
Vorträge mit Diskussion
Zeit: Montag, 30.8. – Mittwoch, 1.9.2010, jeweils 19.30 Uhr
Ort: Pfarrzentrum Groß-Enzersdorf, Kirchenplatz 20, 2301
Groß-Enzersdorf
Veranstalter: Katholisches Bildungswerk Groß-Enzersdorf, Katholisches
Bildungswerk Wien
(red)
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