23. Dezember

© Sauter

Das Adventsengele

Am ersten Adventssonntag waren meine beiden Geschwister und ich - natürlich jedes Kind einen eigenen - damit beschäftigt, einen Brief an das Christkind mit unseren Weihnachtswünschen zu schreiben. Ob wir drei uns bei manchen Wünschen dabei abgesprochen haben (zumindest ich mit meinem Bruder) kann ich allerdings nicht mehr sagen. Die Briefe wurden in einem Briefumschlag gesteckt und ins Küchenfenster gelegt. Wir hatten damals in der kalten Jahreszeit „Doppelfenster“, auch Winterfenster genannt, d. h. in den Wintermonaten kamen an die Innenseite der Fensterrahmen noch ein zweites paar Fensterflügel, damit die Kälte von draußen besser abgehalten wurde. Zwischen beiden Fensterflügeln war Platz genug für die Briefe. Am Tag darauf waren die Briefe wirklich weg. Ein Engele (auf österreichisch: Engerl) hat sie abgeholt!

Einer dieser Briefe fand sich seltsamerweise nach Jahrzehnten in einer Schachtel mit allerlei Postkarten oder ähnlichen Dingen wieder. Wie immer das auch zugegangen sein mag - die Wünsche, die ich ans Christkind richtete, hatten sich damals erfüllt! Das Buch: „Die Mächtigen der Erde“ steht heute noch in meinem Bücherregal (erschienen im Arena-Verlag Würzburg 1961.) Leider steht auf dem Wunschbrief kein Datum. Aus dem Erscheinungsjahr des Buches muss ich schließen, dass ich damals zehn Jahre alt gewesen sein musste.

Das Adventsengele kam übrigens zwischen dem ersten Advent und dem 23. Dezember öfters zu Besuch. Immer, wenn wir drei Kinder an einem Tag besonders brav waren, fanden wir am anderen Tag beim Aufstehen eine Überraschung am Bett hängen. Gewöhnlich ein Stück Weihnachtsschokolade, die dann mit in die Schule genommen und dort gegessen wurde.

(Hanns Sauter (Jahrgang 1951, Würzburg))

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