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Austausch und Solidarität bei Slowakisch-Österreichischer Woche
© Franz Vock

Austausch und Solidarität standen im Mittelpunkt der 30. Slowakisch-Österreichischen Seminar- und Kulturwoche in Badin, nahe Banska Bystrica, Mittelslowakei, vom 22.-28. August 2021, an der unter dem Motto „Freiheit und Verantwortung“ trotz strenger Pandemievorschriften auf Einladung der Katholischen Aktion Wien, des Katholischen Bildungswerkes Wien und des Salesianischen Institutes für Erwachenenbildung in der Slowakei über 30 Interessierte aus Mitteleuropa teilnahmen.

Innere und äussere Freiheit

Der in Bruck an der Donau (Most pri Bratislave) geborene P. Alois Saghy SDB skizzierte an Hand seines eigenen Lebens und des von ihm herausgegebenen Buches „Aufgewacht in der Patronenfabrik am 4. Juli 1945“die Bedeutung der eigenen Freiheit und Verantwortung in Zeiten von Kriegswirren wahrzunehmen. Waren seine Eltern noch am Vortag als „freie Bauern“ aufgewacht, wurden sie am nächsten Tag als „Deutsche“ unter unmenschlichen Bedingungen abgeschoben.

Der Theologe und Mitarbeiter des Katholischen Bildungswerks Manfred Zeller lud ein, den verschiedenen Aspekten von Freiheit aus biblischer Sicht an Hand der Gleichnisse von den klugen und törichten Jungfrauen (Mt. 25,1-13), der anvertrauten Talente (Mt. 25,14-30) und des königlichen Hochzeitsmahls (Mt. 22,1-14) nachzugehen und in Arbeitsgruppen die jeweils innere und äussere Freiheit, aber auch die je eigene Verantwortung auszuloten.

Freiheit sei meistens ein philosophischer Begriff und finde seinen Ausdruck in Unabhängigkeit, Grenzenlosigkeit, Ungebundenheit oder auch in Bewegungsfreiheit, während Verantwortung zumeist persönlich sei, legte die Universitätsprofessorin für Psychologie in Banska Bystrica und Ruzomberok, Maria Homolová, über die Grenzen der Freiheit dar. „Für Freiheit braucht man eine Sicherheit und eine Kraft zur Entscheidung. Jeder Mensch hat eine energetische Ausrüstung und ein Potential. Wenn man einen schwachen Willen hat, kann man die Freiheit nicht verwirklichen, Informationen nicht sortieren; Wir sind dann überfüllt. Das ist nichts Gutes für die Freiheit“, sagte Homolova. Auch sei es wichtig, beim Sortieren von Information Erfahrung zu haben. So solle ein Kind, das erwachsen wird, „Emotionen haben und damit arbeiten können“. Es brauche eine Auswahl und Entscheidung. Man müsse „mit Druck von äusseren oder inneren Hindernissen umgehen können“. Das Wertesystem für Entscheidungen gehe meistens aus geistig-geistlichen Werten, der Weltanschauung oder auch der Erziehung hervor. Oft seien auch Erwachsene nicht fähig, Regeln oder Beschränkungen zu respektieren.

„Der Mensch ist eine freie Person, kann als freier Mensch eine Beziehung zu Gott haben, hat aber auch die Freiheit gegen Gott zu gehen. Das beste Gut ist Gott“. Das Übel oder Sünde „begrenzt oder vernichtet die Freiheit. Unsere Verantwortung soll Freiheit vergrößern“, erläuterte Homolova.

 

Wachrütteln in der Gesellschaft

Die österreichische Botschafterin in der Slowakei, Margit Bruck-Friedrich, legte mit dem Hinweis auf über 40 000 Pendler*innen über die Grenze und verschiedene Initiativen wie den Marsch der Freiheit nach Hainburg am 10. 12. 1989, die Busek-Aktion 1992 im Hochschul- und Forschungsbereich zur slowakisch-österreichischen Zusammenarbeit, den EU-Beitritt der Slowakei 2004 oder den Beitritt der Slowakei 2009 in die Eurozone dar, wie „wichtig das Miteinander persönlich kennen ist“ und die „Zusammenarbeit nur Chancen bringt und das gerade für kleinere Länder, Länder, die eine gemeinsame Geschichte haben und ein gemeinsames Werteverständnis“.

Auch gebe es z. B. im Infrastruktur-, Klima- und Umweltbereich eine enge Zusammenarbeit und eine aktivere Zivilgesellschaft. Die Ermordung des Journalisten Jan Kuziak und seiner Verlobten Martina Kušnírová habe ein „Wachrütteln in der Gesellschaft ausgelöst“. Nun seien viele Reformprozesse und der Kampf gegen Korruption eingeleitet worden. Sie berichtete von der Zusammenarbeit mit der Schweiz und Deutschland für eine größere Unterstützung des Unterrichts in der deutschen Sprache östlich und nördlich von Bratislava sei es durch Wahlfreiheit bei der ersten Fremdsprache oder durch Einführung einer 2. Fremdsprache. Für beide Seiten sei es gut, sich „mehr auf´s Europäische zu besinnen“, resümierte Bruck-Friedrich. Die slowakischen Teilnehmer*innen ermutigte sie: „Ihr müsst selbstbewusster sein“. Umgekehrt könnten die Österreicher*innen „ein bisschen mehr Bescheidenheit lernen“, so Bruck-Friedrich.

Beim Politischen Abend legte der slowakische Parlamentskandidat Raphael Ambros dar, wie sehr populistische Tendenzen die sachliche Arbeit erschweren. So Tendenzen gebe es auch in Österreich, sagte der österreichische Politikwissenschaftler Franz Vock. Daher sei ein nachhaltiges Handeln, das Engagement der Zivilgesellschaft und die Stärkung der Demokratie umso bedeutsam, betonte Vock.

Bei den Veränderungen seit dem Fall des Eisernen Vorhangs, die uns in den vergangenen 30 Jahren wichtig und zu Wegweisern für die Zukunft wurden, erarbeiteten Arbeitsgruppen: Die Grenzöffnung, Reisefreiheit, Seminare, Bildung, die Möglichkeiten zu internationalen Treffen, z. B. für kulturellen Austausch und Kommunikation, die EU, grenzüberschreitende Freundschaften, voneinander lernen ..

Als Lernbereiche für die Zukunft wurde gesehen: Wie können wir mit weniger auskommen; Es braucht eine gerechte Verteilung von Gütern, Nahrung, Impfstoffen, … politische Teilhabe und -teilnahme, Integration von Zuwanderern, Reduzierung auf das Wesentliche, Abschied von der Magie der großen Zahlen, global denken und lokal handeln, nicht Luxus sondern (Über-)Leben ist gefragt - mehr Zeit für persönliche Gespräche, Zuhören und persönliche Glaubenszeugnisse …

 

Verantwortung im Leben und in der Kultur

Wie Freiheit und Verantwortung unter den jeweiligen Bedingungen gelebt werden kann, zeigten beispielhaft die beim Morgengebet beleuchteten Personen wie der nach Gott und der Wahrheit des Glaubens suchende John Henry Newman, der das Gedicht „Führ, liebes Licht“ schrieb, dem inneren Licht zu folgen sich bemühte, als Anglikaner katholischer Priester, Lehrer und Universitätsgründer wurde; der Arzt und im Untergrund evangelisierende Silvester Krcméry, der Priester und NS-Widerstandskämpfer Heinrich Maier, der als Einsiedler in Algerien lebende Charles de Foucauld oder Nkosi Johnson, der bereits als Kind mit seiner Adoptivmutter begann sich für die die Rechte von HIV-positiven und aidskranken Kindern und Erwachsenen einzusetzen.

Auch das Tagungsgelände, das ehemaligen Priesterseminar Dom Xaver der Diözese Banska Bystrica in Badin, von 1991-93 neu erbaut, veranschaulichte mit seiner Architektur von Rudolf Bizon und Vincent Manik, einer 2,5 Meter große Bronzeskulptur des Missionars Franz Xaver, einem Mosaikbild des bekannten Jesuitenkünstlers Marko Rupnik, einem Kreuzweg des bekannten slowakischen Malers Ladislav Zaborsky und der Madonna von Badin von Josef Sima das Tagungsthema. Seinen Höhepunkt erlebte Dom Xaver am 12. September 2003 mit dem Besuch von Papst Johannes Paul II.

Ebenso veranschaulichten Ausflüge in das schon 1075 genannte Kloster in Hronsky Benadik, in das vom tschechoslowakischen Präsidenten Tomas Masaryk als Sommerschloss mit Nationalgestűt verwendete Topolcianky, in die Holzkirche von Hronsek, inzwischen UNESCO Weltkulturerbe, oder ins nahe Banska Bystrica mit seinem Platz des slowakischen Nationalaufstandes das Thema.

Ein Kulturabend mit Texten von John Henry Newman, Matthias Beck, Khalil Gibran, Ladislav Zaborsky, Ilse Brem und Milan Rufus – letztere aus dem von Wolfgang Spitaler herausgegebenen Band „Leben besinnen – Dat´ zivotu zmysel“, und eine Lesung des Textes der slowakisch-österreichischen Autorin Helena Opitz-Sokolova über „Banska Bystrica - Quelle meiner Erinnerungen“ trugen ebenfalls zum besseren Verständnis bei.  Am Abschlussabend wurden einige der anwesenden Gründungsmitglieder geehrt, runde Geburtstage gefeiert und die Roma Tanz- und Singgruppe Romana jilo (Romaherz) aus Zvolen veranschaulichte und informierte über die Früchte ihrer Integrationsarbeit.

Franz Vock

(red)


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