Hofer - für Sie gelesen
© Tyrolia
Franz von Assisi
Ein radikales Leben neu erzählt
Ein ambivalenter, persönlicher Zugang von Markus Hofer bildet den ungewöhnlichen aber passend Auftakt zu seinen Erzählungen über diesen schillernden heiligen Franziskus. Im Laufe der Beschreibungen wird man so mancher Illusion über diesen „Ausnahmeheiligen“ beraubt. Man erfährt viel über Brüche, Ungereimtheiten, Unstimmigkeiten, Zweifel und Suchbewegungen des Franziskus. So bezeichnete er sich selbst als Hofnarr (Gaukler) Christi. Im Gegensatz zum klaren und einfachen Entschluss, ein Leben nach dem Evangelium führen zu wollen, zeigte sich sein (Lebens)Weg durchwachsen und mühsam, gekennzeichnet von radikaler Armut, schweren Krankheiten bis hin zu ebenso ausgelassener Fröhlichkeit und energiegeladener, kompromissloser Treue zu seiner Berufung Jesus ganz nachzufolgen. So erfährt man in einfachem Erzählstil viel von dieser schillernden Persönlichkeit in fünf thematischen Kapiteln. Am Anfang stehen seine frühen Lebensjahre mit seinen Ähnlichkeiten zu seinem Vater, seinem alles andere als heiligmäßigem Lebenswandel, seiner Vorstellung Ritter zu werden, aber auch von Träumen, die zur Änderung seines Lebens führten, bis hin zum Bruch mit seinem Vater. Das zweite Kapitel erzählt vom Anfang seines neuen Lebensweges, von dem er zuerst nicht wusste, wohin er ihn führen würde, dem radikalen Bruch mit Wohlstand und Geld. Er begann Kapellen zu reparieren und zu arbeiten, um das Lebensnotwendige zu bekommen – aber er nahm kein Geld an. Das dritte Kapitel widmet Hofer der Entstehung einer neuen Gemeinschaft, dem Suchen nach der passenden Lebensform bis hin zur kirchlichen Anerkennung dieser Bruderschaft. Hier wird wie auch vorher schon manchmal sichtbar, wie schillernd die Persönlichkeit des Franziskus ist, von Liebe und Fürsorge für andere, von Strenge sich selbst gegenüber und dann wieder seinen ausgelassenen, gauklerhaften Phasen, aber auch der ernsthafte Umgang mit schwierigen Fragen und Themen der jungen Bruderschaft, wie z.B. was er mit Klara und den Frauen, die sich ihm anschließen wollten, machen soll. Im folgenden vierten Kapitel wird sichtbar, wie rasch die neue Gemeinschaft wuchs, sodass bald verschiedene Verwaltungseinheiten und Organisationsstrukturen notwendig wurden. Das alles hatte sich Franziskus nicht so vorgestellt, und trotzdem bringt er es als chaotischer Visionär zustande, vieles in geregelte Bahnen zu lenken, und trotz Ablehnung der ersten (nicht bulletierten) Regel, dass letztendlich die Gemeinschaft als Orden vom Papst anerkannt wird. Immer wieder berichtet Hofer, dass Franziskus Zeiten von schwerer Krankheit erlebte und auch von innerem Zweifel so geplagt wurde, dass er sich zurückziehen musste und nichts tun konnte. Dies wird besonders in seiner letzten Lebensphase sehr stark, worüber das fünfte Kapitel berichtet. Und genau dort wird auch sichtbar welch tiefe Spiritualität und Frömmigkeit in Franziskus brennt. Denn in dieser Zeit entstehen z.B. die bis heute für uns prägende Krippendarstellung und auch der berühmte Sonnengesang.
So würdigt der Autor Franz von Assisi zuletzt als einen, der „Quer im Hals“ liegt, eil der „heilige Narr“ nicht leicht zu verdauen ist, und von vielen oft konträr denkenden Menschen bewundert und verehrt wird. Franziskus ist so schillernd, dass man in ihm sowohl die Bestätigung für die eigene Frömmigkeit sehen kann als auch die Berechtigung zur Radikalität.
Zum Schluss bringt der Autor noch Einblick in das Verständnis und die Herangehensweise an die ersten schriftlichen Quellen von und über Franziskus. Und eine Zeittafel gibt trotz manch historischer Unsicherheiten einen guten Überblick über die Zeit des Franziskus.
Markus Hofer. Franz von Assisi. Ein radikales Leben neu erzählt. 184 Seiten; 21 farbige Abb.; 20.5 cm x 13.5 cm. 2026 Tyrolia. ISBN 978-3-7022-4326-5
Leseprobe: https://www.book2look.com/book/9783702243265(tyrolia.at)?biblettype=html5
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