bildungsMOMENTE: Mauer - St. Erhard
© Hoang
Flucht und Leben zwischen den Kulturen
Vortrag von Hien Hoang am 10. März 2026 in Wien-Mauer, St. ErhardVierzehn Monate nach dem Ende des Vietnamkriegs wurden Nord- und Südvietnam als Sozialistische Republik Vietnam 1976 wiedervereinigt. Der vereinigte Staat war als Nachfolgestaat der Demokratischen Republik Vietnam ebenfalls eine marxistische Einparteiendiktatur. Die Hauptstadt des Landes verblieb in Hanoi. Die ehemalige Hauptstadt Südvietnams wurde in Ho-Chi-Minh-Stadt umbenannt.
Im Zuge des Umbaus Südvietnams zum kommunistischen System wurden die Landbesitzer sowie die Menschen mit Kapital im Süden enteignet und das Kollektivierungssystem in der Landwirtschaft eingeführt. Führende Kräfte des ehemaligen südvietnamesischen Staates und die vermögenden Einwohner wurden Umerziehungsmaßnahmen und Lagerhaft ausgesetzt.
Der Staat identifizierte rund 6,5 Millionen Menschen, welche aus seiner Sicht durch Kollaboration oder kollaborierende Familienmitglieder belastet waren. Diese waren in der Folge Repressionen und sozialer Deklassierung ausgesetzt
All diese Zwangsmaßnahmen führten zur Flucht von hunderttausenden Menschen, die als Boat-People ihre Heimat verließen. Die Mehrheit fand, nach Ablehnung durch Anrainerstaaten, auf UN-Vermittlung in den USA, Kanada, Frankreich und Australien Aufnahme. Zwischen 1975 und 1998 flohen rund 800.000 vietnamesische Staatsbürger aus der sozialistischen Republik Vietnam. Schätzungen gehen davon aus, dass rund 200.000 bei Fluchtversuchen vor allem über das Südchinesische Meer ihr Leben verloren.
© Schmidl
Frau Hien Hoang wurde 1969 nördlich von Saigon in Vietnam geboren. Als sie zehn Jahre alt war, flüchtete die gesamte Familie – ihr Vater war Fischer – trotz strenger Strafandrohung mit einem Boot über das Meer. Sie überstanden zwei Piratenüberfälle und landeten nach etwa 1000 km langer Fahrt auf einer malaysischen Insel in einem großen provisorischen Flüchtlingslager.
Auch Österreich nahm einige Boat People auf. Nach einem Lageraufenthalt in Oberösterreich landete die Familie schließlich einige Tage vor Weihnachten in Salzburg. Vieles war fremd – etwa das gemeinsame Singen von Advent- und Weihnachtsliedern. Manches blieb fremd – zB die Lautstärke, die in Österreich herrscht.
Später absolvierte Frau Hoang die Modeschule in der Herbststraße in Wien. Bis heute arbeitet sie als Kostümassistentin und Garderobiere.
Inzwischen konnte sie auch wieder in die alte Heimat reisen, um zu sehen, was aus anderen Familienmitgliedern geworden ist.
Auch wenn ihre Geschichte lang zurück liegt und eine „leise“ ist, ist sie nicht minder berührend. Denn Frau Hoang ist eine von Millionen Menschen, die bis heute und vielleicht auch morgen schon ihr altes Leben aufgeben mussten und müssen, um in einer völlig fremden Umgebung neu anzufangen.
Berührend an diesem Abend war auch die Anwesenheit einiger Menschen aus Salzburg, die damals diese Familie aufgenommen und unterstützt hatten und den Abend stimmungsvoll mit einem der damals gesungenen Lieder beendeten.
cu/cu


