bildungsMOMENTE: St. Andreas/Hütteldorf

© L.Donnaberger

Zeitzeugengespräch mit Prof. Felix Lee

Einstieg in den Abend war ein ORF-Film-Interview zum 90. Geburtstag aus der Wohnung, Felix Lee am Klavier (er war Musiklehrer). Geboren wurde er im Herbst 1935 in Wien, wo seine jüdische Mutter einen hier studierenden chinesischen Musiker kennengelernt und geheiratet hat. Durch diese Heirat erhielten Mutter und Kind die chinesische Staatsbürgerschaft. Der Vater nahm eine Musikprofessur in Nanking an, also reiste die Familie noch 1935 mit dem Schiff nach Shanghai. Wohnsituation und soziale Lage waren dort aber noch schlechter als im damaligen Wien, sodass Mutter und Sohn in Kürze wieder zurückkehrten. Nicht absehbar war im Jahr 1936 der in Kürze erfolgende Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich mit all seinen Folgeerscheinungen für nichtarische Menschen.

Zurück in Wien wohnte die Familie mit der jüdischen Großmutter im Eckhaus Ungargasse – Rennweg, wo Felix den Einmarsch des deutschen Militärs sehr eindrucksvoll erlebte. Durch Arisierung nach der "Reichskristallnacht" ging diese Wohnung verloren – Zwangsumsiedlung in eine sogenannte "Sammelwohnung" im 2. Bezirk, 16 Bewohner, von denen immer wieder welche "verschwan­den". Noch schützte der chinesische Reisepass vor weiteren "Ahnen-Nachforschungen", Mutter und Sohn mussten keinen gelben Judenstern tragen, die Großmutter schon.

Über hilfreiche Netzwerke im Untergrund gelang es, zu einer mutigen Wienerin, Frau Hermine Riss, vermittelt zu werden, welche die Familie als "U-Boot" auf­nahm. Jahrelanges Verstecken, schwierige Lebensmittelversorgung, mehrere Jahre für Felix nur "Hausunterricht" durch die Mutter, bis durch einen mutigen Schuldirektor ein Voksschulbesuch möglich war. Schilderung von Bombenangriffen, Ängsten in Luftschutz­kel­lern, Kriegsende, das dann endlich einsetzende "normale Leben" mit Berufsausbildung (zunächst Goldschmied) bis hin zur Lehrtätigkeit an der Musik­akademie der Stadt Wien. So rundete sich das Bild ab. Seine "Lebensretterin" Hermine Riss meldete Felix Lee an die "Datenbank der Gerech­ten unter den Völkern" bei Yad Vashem.

Ein spannender Abend in der Pfarre St. Andreas war das am 9. April. Aus der Zuhörerschaft im dicht besetzten Falt­türraum, mehr als die Hälfte Jugendliche und junge Erwachsene, auch Besucher aus Nachbar­pfarren, folgten noch eine intensive Fragestunde und aufrichtige Dankesworte an Prof. Lee.

Er sehe sein Überleben dieser Zeiten und Um­stände als Auftrag, aufzutreten als Sprecher für ein "Nie wieder – bleibt wachsam auf die Anfänge."

Herzlicher Dank an den Pastoralassistenten Bernd Aschenbrenner und die einladende Jugend.

Lilli Donnaberger

 

 

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