Kreatives Schreiben als Insel im Alltag

Sabine Spitzer-Prochazka

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Sabine Spitzer-Prochazka

Kreatives Schreiben als Erholungsinsel im Alltag

Sabine Spitzer-Prochazka

„I bin reif, reif, reif für die Insel...“ – erinnern Sie sich auch noch an die Melodie? Peter Cornelius´ Hit aus den 80er Jahren ist längst zum zeitlosen Klassiker geworden. Wer wünscht sich schließlich nicht manchmal den Ausstieg aus dem stressigen Alltag oder einen Tapetenwechsel, raus aus den gewohnten Bahnen? Gerade in unserer Zeit verwundert das nicht, folgt doch seit Monaten eine Krise auf die andere. Die Insel ist dabei ein schönes Bild, sie passt gut als Synonym für einen krisenfreien Raum: ohne Pandemie, ohne Krieg, ohne Armut und Überlastung.

Für den ganz großen Ausstieg fehlen uns jedoch meist die finanziellen Mittel, die Unabhängigkeit und auch der Mut (und Hand aufs Herz, es gibt ja auch genügend schöne Gründe für´s Hierbleiben...). Aber der Traum, sich kleine Erholungsinseln im Alltag zu schaffen, der bleibt. Und genau das ist möglich! Sie können sich Ihre eigene Insel erschaffen; alles, was Sie dafür brauchen, sind ein Stift und ausreichend Papier. Schreiben ist eine stets machbare, kreative Tätigkeit, die zur Insel der Erholung im Alltag werden kann. Ich stelle Ihnen hier drei Beispiele vor, vielleicht haben Sie Lust, sich gedanklich auf Reisen zu begeben: Zu Ihnen selbst, zu den schönsten Orten der Welt oder zur schöpferischen Lebenskraft, zu Ihrer Kreativität. Lassen Sie sich nicht vom Zeitmangel abschrecken – oft genügen schon zehn Minuten zwischendurch, oder gerade so lang, wie Ihre Zeitreserven eben reichen. Es spielt auch keine Rolle, ob Sie nur gelegentlich spontan zum Stift greifen, oder sich Ihre persönliche Routine schaffen, um konsequent jeden Tag zu schreiben. Wichtig ist, dass Sie Ihren eigenen Weg finden, mit dem Sie sich wohlfühlen. Und nun zu den versprochenen Destinationen:

·       Insel Nummer 1: „Zeit für mich“

Hat Sie heute schon jemand gefragt, wie es Ihnen geht, wie es Ihnen wirklich geht? Nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit, spüren Sie ganz in sich hinein. Und dann: Sie können es Ihrem Tagebuch anvertrauen, Ihr Befinden, Ihre Sorgen und Freuden, einfach alles, was Sie beschäftigt und bewegt. Tagebuchschreiben, oder wie es modern genannt wird, „Journaling“ liegt im Trend. Es geht darum einen Raum für sich zu haben, in dem alle Gedanken und alle Gefühle Platz haben. Schreibend lassen sich Pläne schmieden, Vorhaben begleiten und Veränderungen dokumentieren. Das Journal wird Ihnen ein verlässlicher, treuer Begleiter im Alltag sein.

·       Insel Nummer 2: „Meine Lieblings-Orte“

Rundherum ist alles grau in grau, aber noch lange kein Urlaub in Sicht? Und die Woche in Griechenland ist auch schon wieder viel zu lange her? Holen Sie doch Ihre liebsten Urlaubsfotos hervor. Sie zu betrachten bringt diretissima die wunderbarsten Erinnerungen zurück. Noch nachhaltiger wirkt dieser gedankliche Kurzurlaub, wenn Sie alle Sinne einsetzen, um rückblickend  einen kleinen Reisebericht zu verfassen. Wie war das nochmal auf dieser malerischen, griechischen Insel, wonach roch die Luft, wie hat es sich angefühlt, auf den Meereswellen zu schaukeln? Wie klang das Lachen der Kinder am Strand, wie schmeckten Feta, frische Kräuter und das köstliche Olivenöl? Diese ganz persönlichen Reisenotizen werden zur unvergänglichen Schatzkiste Ihrer Erinnerung.

·       Insel Nummer 3: „Zum puren Vergnügen“

Wenn Sie mitten im Alltags-Chaos der Übermut packt: Sie sprudeln nur so vor Ideen, Ihre Fantasie schlägt Purzelbäume? Gut so! Es macht Spaß, Geschichten zu erfinden, skurrile Figuren zu erschaffen oder auch einmal so richtig im Nonsens zu schwelgen. Kreativität lässt uns Probleme besser lösen, hilft uns durchzuhalten und Auswege zu finden. Versuchen Sie sich auch einmal in ungewohnten Genres. Ein Märchen zum Beispiel ist schnell geschrieben und das Schöne daran: Gut gewinnt immer gegen Böse! Oder lesen Sie gerne Krimis? Warum nicht selbst einen verfassen? Dabei lässt sich auch so mancher Ärger von der Seele schreiben... Oder ein romantisches Gedicht, eine Liebeserklärung an den Lieblingsmenschen oder gleich an sich selbst? Keine Sorge, das können Sie – probieren Sie es einfach aus!

Vielleicht reisen Sie aber auch nicht so gern allein oder haben Lust auf Gesellschaft? Gemeinsam mit anderen Wortakrobat:innen macht es gleich noch einmal so viel Spaß -  die Geschichten können dann nämlich ausgetauscht werden, man erhält Resonanz auf die eigenen Werke und erlebt, dass man mit all seinen Gedanken nicht allein auf der Welt ist. Stöbern Sie gern im aktuellen Kurs-Programm, es steht eine Vielzahl an Schreibgruppen zur Auswahl. Und falls Sie selbst einmal Reisende auf ihren „Schreib-Inseln“ begleiten möchten, sei Ihnen der neue Kurz-Lehrgang zur Schreibgruppenleiter:in im Bildungszentrum Floridsdorf ans Herz gelegt.

 

st/st

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