slowakisch-österreichische Begegnungstage 2025

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Slowakisch-österreichische Begegnungen in und mit Velehrad, 2025

Die slowakisch-österreichischen Seminar- und Begegnungstage dieses Sommers beschäftigten sich auf vielfältige Weise mit dem Thema des Heiligen Jahres „Pilger der Hoffnung“. In Vorträgen und Gruppengesprächen, bei einem Ausflug zu Pilgerorten in Südmähren, bei den Eucharistiefeiern und Gottesdiensten, beim täglichen Morgen- und Abendlob und bei den kommunikativen, kreativen und kulturellen Abendgestaltungen entstanden viele Gelegenheiten, gemeinsam herauszufinden, auf welche Weise christliches Leben in der Gegenwart von Hoffnung bestimmt sein kann.

Anmerkungen zur Bedeutung der Basilika und des Pilgerorts Velehrad

Biblische Hoffnung verleugnet die schwierigen und riskanten Phasen des Lebens nicht; sie richtet jedoch den Blick auf eine wünschenswerte Zukunft, fördert Resilienz und gibt Orientierung. Die Auseinandersetzung mit der Frage, wie Christ*innen zu Hoffnungs-Träger*innen ihrer Gesellschaften werden können, bildet einen der Hauptinhalte des Heiligen Jahres „Pilger der Hoffnung“.

In Anlehnung an das Thema „Pilgerschaft“, fanden die Begegnungstage im Pilger- und Exerzitien-Haus Stojanov in Velehrad, einem der wichtigsten Wallfahrtsorte Mährens, statt.

Für den Begrüßungsabend bereitete das slowakische Team Buchstaben vor, anhand derer wir erzählten, was wir während der Monate seit dem letzten Sommer erlebt hatten. Anschließend wurden die Buchstaben in Gruppenarbeit zusammengesetzt und ergaben die Worte „Pilger der Hoffnung“, sowie „Pútnici nádeje“.

Die Seminar- und Begegnungstage begannen und endeten täglich mit einem Morgen- und einem Abendlob im Garten oder der Kapelle des Exerzitien-Hauses und den Eucharistiefeiern am Abend, die Pater Alois Saghy mit uns feierte.

Vor die Stufen, die zum Altar der Kapelle führen, stellten wir ein Bild von Josef Schmidt, umgeben von Obstbäumen. Josef Schmidt war ein wichtiges, sehr aktives und verlässliches Mitglied des österreichischen Teams; er ist kurz vor Beginn der Seminar- und Begegnungstage verstorben. Durch die gemeinsame Trauer und den Anblick des Bildes war die Erinnerung an ihn allgegenwärtig.

Die Texte und Lieder des Morgenlobs wurden abwechselnd vom Beatrix Schultes mit dem österreichischen Team und Livia Kupcová und Rafael Ambros jr. mit dem slowakischen Team gestaltet. Alle Texte (z.B. Psalmen, Gebete, Abschnitte aus dem Neuen Testament, Fürbitten, Lieder, Zitate von Päpsten und Heiligen standen uns in beiden Sprachen zur Verfügung.

Auch der Kulturabend war dem Thema „Hoffnung“ gewidmet. Wolfgang und Herta Spitaler, Veronika Zahradniková, Rafael Ambros jr., Livia Kupcová, Beatrix Schultes und Christine Petioky lasen Texte von Papst Leo XIV (aus seiner Predigt am Fest Peter und Paul), Ilse Brem, Milan Rúfus und Ladislav Záborský (aus der Sammlung „Leben besinnen“), Annemarie Fenzl („Das kleine Mädchen Hoffnung“) und Rebecca Solnit („Hoffnung in der Dunkelheit“).
Tereza Ambrosová begleitete den Abend musikalisch.

Den politischen Abend moderierte und leitete Rafael Ambros sen.; die slowakischen und österreichischen Teilnehmer*innen besprachen ein gemeinsames Problem ihrer beiden Gesellschaften: die steigende Akzeptanz populistischer Politik – im Bewusstsein, dass es in beiden Ländern auch starken Widerstand dagegen gibt. Zum Einstieg in die Frage „Warum wählen die Menschen Parteien, die wir als populistisch bezeichnen?“ erzählte Rafael Ambros sen. von wirksamen zivilgesellschaftlichen Manifestationen in den 1980er Jahren gegen das kommunistische Regime. Eine Zusammenfassung seines Impulsreferats befindet sich im Abschnitt „Vorträge und Gruppenarbeiten“ dieses Berichts.

Am Abschiedsabend feierten wir die 90. Geburtstage von Pater Alois Saghy und Wolfgang Spitaler. 
An dieser Stelle sei Pater Alois nochmals für seine umsichtige und einfühlsame spirituelle Begleitung vieler slowakisch-österreichischer Begegnungstage herzlich gedankt. Die Gestaltung der Gottesdienste gemeinsam mit der Gruppe, seine Offenheit für vielfältige Erörterungen aktueller Themen und seine Bereitschaft, seine persönlichen Erkenntnisse und Erfahrungen mitzuteilen, sind von entscheidender Bedeutung für das Gelingen der Begegnungstage.
Wolfgang Spitaler ist ein sehr verdienstvolles, langjähriges Mitglied des österreichischen Teams. Seine kulturellen, intellektuellen und kommunikativen Impulse prägten und prägen viele Gespräche und Diskussionen und tragen sehr zur freundschaftlichen, positiven Atmosphäre der Treffen bei. Herzlichen Dank für seinen wichtigen und kontinuierlichen Beitrag!

Die Seminar - und Begegnungstage klangen mit gemeinsamem Singen aus – insbesondere die slowakischen Teilnehmer*innen kennen eine unerschöpfliche Anzahl Lieder mit stimmungsvollen und mitreißenden Melodien.

Livia Kupcová übersetzte während des gesamten Seminars vom Slowakischen ins Deutsche und umgekehrt. Beatrix Schultes und Livia Kupcová moderierten und begleiteten das gesamte Programm und unterstützten die Teilnehmer*innen bei allen erfüllbaren Anliegen.

Vielen Dank dafür!

Anmerkungen zur Bedeutung der Basilika und des Pilgerorts Velehrad

Das Exerzitien-Haus Stojanov, in dem wir untergebracht waren, befindet sich in unmittelbarer Nähe der Basilika von Velehrad. Es lag nahe, die Kirche schon an den ersten Seminartagen zu besuchen und zu besichtigen. Wir hatten dabei die Gelegenheit, Näheres über die Kirche und den Ort erfahren, und durch den Besuch des Lapidariums buchstäblich in die Geschichte einzutauchen.

Velehrad erinnert an die Evangelisierung des Groβmährischen Reiches durch die Heiligen Kyrill und Method, und ist daher sowohl für das östliche byzantinische als auch für das westliche römische Christentum, und somit für die Ökumene von besonderer Bedeutung.

Es handelt sich um einen der bedeutendsten Wallfahrtsorte Mährens.

Die Geschichte dieses Ortes reicht bis in das Jahr 1205 zurück, als die ersten zwölf Zisterzienser-Mönche in der Nähe von Veligrad (dem heutigen Staré Město) ihr Kloster aufbauten. Gründer waren der tschechische König Přemysl Otakar I., der mährische Markgraf Vladislav Heinrich und der Bischof Robert von Olomouc. Aus den Wirtschaftsgebäuden rund um das Kloster wurde der Ort Velehrad. Die Klosterkirche wurde Maria Himmelfahrt und den Heiligen Kyrill und Method geweiht.

Die ursprünglich romanische Basilika wurde zwischen 1685 und 1735 in ihrer heutigen Form, dem Barockstil gestaltet. In den Räumen unterhalb der Basilika und dem ehemaligen Kloster befinden sich die Fundamente des ursprünglichen Zisterzienserklosters aus dem 13. Jahrhundert. Dort wurde ein Lapidarium (eine Sammlung von Steindenkmälern und -fragmenten) errichtet, in dem die ursprünglichen Steinmetzverzierungen der Kirche und des Klosters ausgestellt sind.

Der Jesuitenorden übernahm das Kloster 1890 und errichtete ein Kolleg, das später in ein Gymnasium umgewandelt wurde.

Heute sind in Velehrad neben dem Jesuitenorden die Kongregationen der Schwestern der Heiligen Kyrill und Method (Kongregace sester sv. Cyrila a Metoděje) und die slowakischen Schwestern der Göttlichen Erlösung (Kongregácie sestier Božského Vykupiteľa) tätig.

Der Erzbischof von Olomouc A. C. Stojan und Kardinal Tomáš Špidlík SJ sind in der Basilika beerdigt. 

Zum 1100. Todestag des Hl. Method 1985 kamen bis zu 200.000 Menschen nach Velehrad, feierten hier die Messe mit dem Staatssekretär des Vatikan Kardinal Casaroli und forderten von der kommunistischen Regierung ihr Recht auf Religionsfreiheit ein. Auf dieses Ereignis wird in diesem Bericht in der Zusammenfassung des Impulsreferats von Rafael Ambros  näher eingegangen.

Papst Johannes Paul II. zeichnete Velehrad 1985 mit der Goldenen Rose aus, einem Symbol der Auferstehung, das an besonders verdienstvolle Wallfahrtsorte und Personen verliehen wird, und besuchte den Ort 1990. Er erklärte Kyrill und Method zu Schutzpatronen Europas.

Am Sonntag, 3.8.2025, nahmen wir an der Sonntagsmesse in der Basilika von Velehrad teil.

Mag.a Linda Kreuzer: Vom Zentrum zur Peripherie: Hoffnungsbilder für ein zukünftiges Europa

Die Theologin und Universitäts-Assistentin Linda Kreuzer skizzierte ein Bild der europaweiten grundlegenden Umgestaltung von Demokratien, aufbauend auf der Unterstützung und Sorge der Menschen füreinander – nicht zuletzt nach dem Vorbild der katholischen Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis (CS). Zunächst bezog sie sich auf zwei Publikationen aus den letzten Jahren: „Demokratiedämmerung. Eine Kritik der Demokratietheorie“ von Veit Selk (2023) und „Europadämmerung“ von Ivan Krastev (2017):

Veit Selk kritisiert Demokratie-Theorien der letzten Jahrzehnte und stellt insbesondere fest, dass sich die optimistische Prognose hinsichtlich Stabilität von Demokratien und fortschreitender Weiterentwicklung von Bürgerrechten nicht bewahrheitet hat.  Darüber hinaus lassen Naturzerstörung und die anhaltende Ungleichheit der Menschen hinsichtlich Einkommen, Vermögen und soziokulturellen Entfaltungsmöglichkeiten Zweifel an der Wirksamkeit traditioneller demokratischer Problemlösungs-Strategien aufkommen. Dadurch entstehen nicht nur zivilgesellschaftliche Bewegungen, sondern auch populistische Parteien, die mit Anti-Establishment-Rhetorik Mobilisierungserfolge erzielen und die Demokratie gefährden, während die Digitalisierung die öffentliche Meinung fragmentiert.

Ivan Krastev schreibt von der Verunsicherung, welche die Gesellschaften der EU erfasst hat. Ein vereintes Europa war immer eine Idee auf der Suche nach Realisierung. Aber die Sorge wächst, dass die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg, welche den Zusammenhalt der EU begründet hat, ihre Geltung verlieren könnte, da sie aus dem Blickfeld der Menschen verschwunden ist. Ivan Krastev untersucht die Ursachen der Verunsicherung und beschreibt, welche Formen eine europäische Desintegration annehmen könnte. Ein Zerfall der EU, so Krastev, wäre eine Tragödie, die den Kontinent zu internationaler Bedeutungslosigkeit verurteilen würde.

Beide Autoren erörtern also die Kluft zwischen demokratischen Idealen und ihrer Umsetzung: Fortschritt in demokratischen Gesellschaften erfolgt nicht automatisch, und zahlreiche gesellschaftliche Entwicklungen und Modernisierungen gefährden demokratische Strukturen, statt sie sicherzustellen.

Demgegenüber schlug Linda Kreuzer vor, sich andere Herangehensweisen an gesellschaftliche Herausforderungen und andere Schwerpunktsetzungen demokratischen Handelns vorzustellen. Bestimmte Bilder entscheidender historischer Ereignisse, die im kollektiven Gedächtnis mit Demokratie verknüpft sind, können durch geringfügige Veränderungen einen Raum für alternative Denkweisen eröffnen helfen. Linda Kreuzer veranschaulichte das anhand des in Österreich sehr stark in der Erinnerung der Menschen verankerten Bildes der Bundesregierung auf dem Balkon des Schlosses Belvedere, als der damalige Bundeskanzler Figl im Mai 1955 der Menschenmenge den soeben unterzeichneten Staatsvertrag zeigte.

Die Künstlerin Claudia Larcher hatte dieses Bild im Rahmen des von 2022 bis 2024 dauernden Projekts  „Al and the Art of Historical Reinterpretation – Fitting Gender Bias Gaps (KI und die Kunst der historischen Neuinterpretation – Geschlechterungleichheiten ausgleichen)" leicht verändert und die ausschließlich männliche Regierung von 1955 durch eine Frauengruppe ersetzt, deren Aussehen und Bekleidungsstil ebenfalls an die 1950er Jahre erinnern. Die Körperhaltung und Anordnung der Personen entspricht dem Originalfoto – die Szene ist dadurch leicht wiederzuerkennen.

Da „Frauenarbeit“ meist mit Sorgearbeit assoziiert wird, sollte dieses Bild dazu anregen, sich eine europäische Gesellschaft vorzustellen, in der Werte des Sorgens und der wechselseitigen Unterstützung der Menschen füreinander und für alle Lebewesen die Grundlage des Handelns bilden – sei es im alltäglichen Zusammenleben, sei es bei politischen Entscheidungen. Es handelt sich dabei um die Prinzipien einer Care Ethik. (Der Begriff „Care“ ist nicht leicht ins Deutsche zu übersetzen, da der entsprechende Begriff „Fürsorge“ durch die Praxis repressiver und gewalttätiger Erziehungs-Institutionen stark beschädigt worden ist.) Care Ethik entstand aus Sozialen Bewegungen (erste und zweite Welle der Frauenbewegung sowie die von indigenen Gemeinschaften Lateinamerikas inspirierte Philosophie des Buen Vivir) und wurde von Aktivist*innen beeinflusst. Sie etablierte sich in den 1980er Jahren als eigenständiger theoretischer Ansatz, der zwischenmenschliche Unterstützung, Beziehungen und gegenseitige Abhängigkeiten in den Mittelpunkt stellt. Der Auftrag, für alle Lebewesen (einschließlich Tiere, Pflanzen etc.) zu sorgen, sollte die Grundlage der moralischen Orientierung bilden.

Die Politikwissenschaftlerin Joan C. Tronto sowie die Gewerkschafts- und Bürgerrechts-Aktivistin Berenice Fisher gehören zu den Begründer*innen der Care Ethik, die sie folgendermaßen definieren: „Auf der allgemeinsten Ebene schlagen wir vor, Care als eine menschliche Aktivität zu betrachten, die alles umfasst, was wir tun, um unsere Welt zu erhalten, fortzuführen und zu reparieren, damit wir bestmöglich darin leben können. Diese Welt umfasst unseren Körper, unser Selbst und unsere Umwelt, die wir alle zu einem komplexen, lebenserhaltenden Netz miteinander verweben wollen.“ (vgl. Fisher/Tronto 1990, 40; Tronto 1993, 103)

Die in lateinamerikanischen Gesellschaften entwickelte Philosophie des Buen Vivir („gut leben“) geht auf indigene Weltbilder zurück und erkennt den in sich bestehenden Wert aller Lebewesen an. Ihr Ziel ist Gleichgewicht, Gegenseitigkeit und Kommunikation von Gemeinschaften, die im Besitz ihrer Rechte in Verantwortlichkeit und Respekt gegenüber der Natur leben.

Die Befreiungstheologie, welche aus der Perspektive marginalisierter Menschengruppen heraus tätig ist, greift die Werte des Buen Vivir ebenfalls auf.

Ähnlich betont die katholische Theologin und Professorin für christliche Soziallehre Marianne Heimbach-Steins, dass gesellschaftliche Verhältnisse dem verantwortungsvollem menschlichen Handeln unterliegen und dem normativen Gebot der Gerechtigkeit – insbesondere der sozialen Gerechtigkeit – unterworfen werden müssen (Marianne Heimbach-Steins, 2021, 46)

Die Aussage des amerikanischen Vizepräsidenten J. D. Vance: „Es gibt ein christliches Konzept, das besagt, dass man zuerst seine Familie liebt, dann seinen Nächsten, dann seine Gemeinde, dann seine Mitbürger und erst danach den Rest der Welt. Viele in der extremen Linken haben das völlig ins Gegenteil verkehrt“ (vgl. Fox News vom 29.1.2025), wurde von Papst Leo XIV zurückgewiesen:  „JD Vance is wrong: Jesus doesn't ask us to rank our love for others.” (J.D. Vance ist im Irrtum. Jesus trägt uns nicht auf, unsere Liebe zu anderen in eine Rangordnung zu setzen.) (Robert Prevost [@drprevost], 3.2.2025) Diese deutliche Antwort kann als Bestätigung der Philosophie der Sorge für alle angesehen werden.

Ein Beispiel für eine bereits seit über 100 Jahren konsequente Umsetzung von Care Ethik in die Praxis sieht die Referentin in der Arbeit der 1919 gegründeten Katholischen Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis („Wir leben aus der Liebe Gottes [Caritas]. Wir wollen dazu beitragen, diese Liebe in unserer Gesellschaft erlebbar zu machen [Socialis]“), inspiriert durch ihre Gründerin Hildegard Burjan.

Im Folgenden werden die Lebensgeschichte der Gründerin und die Tätigkeit der Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis (CS) kurz beschrieben:

Hildegard Lea Burjan geb. Freund wurde 1883 in Görlitz als Tochter jüdischer Eltern geboren. Sie studierte in Zürich Literatur und Philosophie und promovierte 1908. Anschließend studierte sie in Berlin Sozialwissenschaften. Sie heiratete 1907 den Ungarn Alexander Burjan. Im darauffolgenden Jahr erkrankte sie an einer lebensbedrohlichen Nierenkolik. Sie wurde im St. Hedwigs Krankenhaus in Berlin sieben Monate lang von den Barmherzigen Schwestern vom Hl. Karl Borromäus gepflegt. Entgegen der wenig hoffnungsvollen medizinischen Prognose konnte sie – unerwartet – zu Ostern 1909 geheilt entlassen werden. Im selben Jahr konvertierte Hildegard Burjan zum katholischen Glauben.

Sie übersiedelte mit ihrem Ehemann nach Wien, wo sie entgegen dem Rat der Ärzte ihre Tochter Elisabeth zur Welt brachte. Hildegard Burjan entschloss sich, ihr, wie sie sagte „neu geschenktes Leben“ der Unterstützung sozial benachteiligter Menschen zu widmen.

1912 gründete sie in Wien den „Verband der christlichen Heimarbeiterinnen“ und damit die erste Organisation besonders ausgebeuteter sowie sozial und rechtlich äußerst benachteiligter Frauen.

Hildegard Burjan forderte darüber hinaus die Wiener Bevölkerung zum Boykott von Waren auf, die von Firmen stammten, die Frauen ausbeuteten.

1918 gründete sie den Verein „Soziale Hilfe“. Aus ihm ging 1919 die religiöse Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis (CS) hervor.

Bei der Wahl im Februar 1919 hatten Frauen in Österreich erstmals das uneingeschränkte aktive und passive Wahlrecht; Hildegard Burjan wurde bei dieser Wahl zur christlich-sozialen Nationalrats-Abgeordneten gewählt. Sie kämpfte für Rechte und Gleichberechtigung der Frauen. „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ zählte zu ihren wichtigsten Forderungen. Dazu suchte und fand sie über Parteigrenzen hinweg politische Verbündete.

1920 schied sie aus der Bundespolitik aus und beschäftigte sich mit möglichst konkreten Maßnahmen zur Lösung der sozialen Probleme ihrer Zeit. Sie arbeitete an der Sofortunterstützung für obdachlose Personen, gründete eine Ausgabestelle für kostenlose Kleidung, unterstützte Familien, gestaltete eine Einrichtung für unverheiratete Mütter und ihre Kinder und wurde zu einer der Vordenkerinnen der Sozialarbeit in Österreich.

Hildegard Burjan initiierte auch den Bau der Christkönigskirche in Wien.

Sie starb 1933 an einem erneuten Ausbruch ihrer Nierenkrankheit im Alter von 50 Jahren, und erlebte somit die Eskalation von Bürgerkrieg und Austrofaschismus in Österreich ab 1934 nicht mehr. 

Hildegard Burjan wurde 2011 seliggesprochen. Ihr liturgischer Gedenktag ist der 12. Juni.

Die von ihr gegründete Schwesterngemeinschaft CS ist nach wie vor sehr aktiv und in mancher Hinsicht richtungsweisend für Reformen im Wiener und österreichischen Sozialbereich: Ab den 1990er Jahren führte sie mit Unterstützung der Stadt Wien tiefgreifende Reformen in ihren Pflege-Einrichtungen für hochaltrige Menschen durch, die zum Vorbild hinsichtlich einer wesentlichen Steigerung der Lebensqualität der Bewohner*innen stationärer Wiener Pflege-Einrichtungen wurden. Darüber hinaus beteiligte sich die CS am Ausbau des Programms der Stadt Wien zur Einrichtung von Tageszentren für Menschen mit Pflegebedarf. 

Die CS betreibt auch ein spezielles Tageszentrum für Menschen, die an Multipler Sklerose erkrankt sind. Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt auf einer spezifischen Begleitung und Unterstützung von Menschen mit Demenzerkrankungen, ein weiterer auf Hospiz-Arbeit. Das Hospiz der CS umfasst eine Palliativstation und ein mobiles Palliativteam. Der Besuch von Papst Johannes Paul II im Jahr 1998 im Hospiz der CS machte die Schwesterngemeinschaft, die nun als gemeinnützige Privatstiftung tätig ist, sehr bekannt.

 

Die CS folgt dem mäeutischen Pflegemodell, das 2004 von der niederländischen Krankenschwester, Historikerin, Validations-Lehrerin und Pflegewissenschaftlerin Cora van der Kooij formuliert wurde.

Es betrachtet die Erlebenswelten von Menschen mit Pflegebedarf, deren Angehörigen und Pflegenden, und hat zum Ziel, die Fähigkeit zur Empathie bei allen Beteiligten zu stärken. Durch eine wertschätzende und auf Dialog basierende Herangehensweise (Mäeutik bedeutet „Hebammenkunst“) sollen die Pflegequalität gesteigert, die Arbeitszufriedenheit erhöht und positive Beziehungen gefördert werden. 

Wichtigste Elemente sind positive Kontaktmomente im Erleben der Menschen mit Pflegebedarf, der Angehörigen und Pflegepersonen, Biographie-Arbeit (Bezugnahme auf die Lebensgeschichte der Menschen mit Pflegebedarf),  Bezugspflege (Teamarbeit mit Kleingruppen von Menschen mit Pflegebedarf), Sokratische Dialoge (Erkennen der eigenen Fähigkeiten durch gezielte Fragen und Gespräche), Kombination verschiedener Methoden (Aromapflege, Kinästhetik, Basale Stimulation, Palliative Care…) und regelmäßige, strukturierte Reflexion.

Zusätzlich zur professionellen Tätigkeit in den Tageszentren und stationären Einrichtungen bezieht die CS gezielt und wirkungsvoll sowohl ehrenamtliche Mitarbeiter*innen als auch die im Umfeld ihrer Einrichtungen lebenden Menschen, Institutionen und Betriebe mit ein: durch die Ausbildung und professionelle Unterstützung von Demenz-Wegbegleiter*innen, die Arbeit an Projekten für demenzfreundliche Stadtteile, die Gruppenarbeit in- und außerhalb ihrer Häuser etc.

In all diesen Vorgangsweisen und Prinzipien zeichnen sich Konturen einer von Care geprägten Gesellschaft ab. Care-Ethik würde nun bedeuten, dass in einer demokratischen Gesellschaft alle Bürger*innen daran beteiligt sind, füreinander zu sorgen, und sich dabei ihres eigenen „Pflegebedarfs“ bewusst sind. Eine solche wechselseitige Sorge füreinander ist ein politisches Anliegen, das bei allen politischen Entscheidungen mitberücksichtigt werden müsste. Wie bereits in der Beschreibung des mäeutischen Pflegemodells angeklungen, ist Pflege in einer demokratischen Gesellschaft stark partizipativ und erfordert die Einbeziehung der Perspektiven aller Beteiligten.

Europa war und ist durch Migrationsbewegungen bestimmt. Die nationalstaatlichen Bewegungen des 19.und 20. Jahrhunderts mündeten in der Idee eines geeinten Europas. 

Linda Kreuzer sieht die aktuellen Probleme Europas darin, dass ein Gegensatz zwischen „Zentrum“ und „Peripherie“ entstanden, und die Sorge füreinander an den Rand sozio-ökonomischer Entscheidungen gedrängt worden ist. Sie schließt daraus, dass Europa im Sinne einer Wertegemeinschaft nur als sorgendes Europa im Sinne eines guten Lebens für alle Menschen gedacht werden kann.

Bei der anschließenden Gruppenarbeit diskutierten wir in Kleingruppen über folgende Fragen:

  • Kann die Analyse der Praxis von Pflege und Unterstützung innerhalb einer Gesellschaft Aufschluss über den Zustand der Demokratie geben?
  • Wo liegen die Grenzen wechselseitigen Sorgens füreinander?
  • Wie könnte eine sorgende Kirche aussehen?

Prof. Dr. Pavel Ambros SJ:  Heiliges Jahr – Pilger*innen der Hoffnung

Am zweiten Vormittag veranschaulichte der Jesuitenpater und Direktor des Zentrums Aletti, Prof. Dr. Pavel Ambros SJ, das Heilige Jahr „Pilger der Hoffnung“ unter zwei Aspekten: Im ersten Teil seines Vortrags erläuterte er das Logo des Heiligen Jahres und seine Darstellung der Pilgerschaft, im zweiten Teil behandelte er das Thema „Hoffnung“ als tragendes Element christlicher Spiritualität.

Zu Beginn wies Pavel Ambros darauf hin, dass es sich beim Heiligen Jahr um ein Jubiläumsjahr handelt  – ein Begriff, der auf die jüdische Tradion zurückgeht, alle 50 Jahre ein Sabbatjahr im Land abzuhalten, um Land zurückzuerstatten, Sklav*innen freizulassen und die sozialen Gegensätze in der Gesellschaft nicht zu groß werden zu lassen. Der Beginn des Sabbatjahres wurde mit einem als „Jobel“ (= voller Freude) bezeichneten Klang aus Widderhörnern verkündet, einem hebräischen Begriff, von dem später das lateinische Wort „Jubiläum“ abgeleitet wurde.

Pilgern ist mit grundlegenden Themen verknüpft:  Stärkung und Vertiefung der Hoffnung, Überwindung schwieriger Situationen, Gebete, die erhört werden, Gnaden, die an Orten besonderer Gottesgegenwart erfahren werden und Vertiefung der eigenen Spiritualität.

Im Logo des Jubiläumsjahres befindet sich die Gemeinschaft der Menschen in einem Boot auf den Wellen des Meeres.

Die Metapher eines unruhigen Meeres für die aktuelle Situation der Menschen geht auf das antike, platonische Weltbild zurück: Der Lebensweg ist voller Gefahren, voller Stürme, wir sind Schiffbrüchige in kleinen Booten.

Für die Christ*innen der Antike war das Schiff eine Metapher für die Kirche. Dieses Schiff ist nicht schiffbrüchig, sondern einfaltet ein strahlendes Segel und wird heimkehren.

Christ*innen segeln zur Pforte der Ewigkeit und binden sich, um während der Reise den Gefahren zu entgehen, am Mast des Kreuzes fest.

Vor allem wird die Kirche als Schiff gesehen, das alles auf dem Festland zurücklässt, da es sein Leben bereits in einer anderen Hoffnung gefunden hat: „dem himmlischen Hafen, in den der Heilige Geist führt."

Der römische Philosoph, Politiker und Theologe Boethius[1] schrieb, dass „am Meer des Lebens selbst die edelsten Menschen Opfer tosender Stürme sind, aber wer seinen Blick direkt auf das Glück richtet, den schrecken die wütenden Drohungen des Meeres nicht“.

Die Kirche wird als morsches Schiff dargestellt, das im Bewusstsein seiner sicheren Verankerung im Hafen des Friedens weitersegelt. Das geheimnisvolle (übernatürliche) Paradox der Kirche besteht darin, dass dieses Schiff, trotz seiner Beschaffenheit aus Holz, seiner Zerbrechlichkeit und Gefährdung, sichere Rettung bedeutet.

In dieser Schiffs-Metapher sind weitere Bedeutungen enthalten: Wenn ein Schiff im Hafen eintrifft, lässt der Kapitän den Anker in einem kleinen Boot an Land bringen. Dieses Boot symbolisiert Christus, der dem Schiff (= Symbol für die Kirche bzw. Menschheit) voranfährt. Der Anker ist das Symbol für Hoffnung.

Ein Schiff konnte jedoch auch im Hafen sinken; der Anker musste daher mit Wachsamkeit begleitet werden. Der Seefahrer, der vor dem Einlaufen des Schiffs in den Hafen mit dem kleinen Boot und dem Anker eine sichere Passage vorbereitet, ist daher von besonderer Bedeutung.

Dies symbolisiert die Überführung von einem auf den Tod hin ausgerichteten Leben, in ein Leben, das den Tod, wie Christus, überwindet. Das Boot nimmt die Erlösung vorweg; durch Wachsamkeit verwandelt die Kirche Gottes Volk auf dem Meer in Gottes Volk mit dem Anker der Hoffnung.

Die Kirche versammelt alle, die mit Paulus sagen: „Das Ende der Zeit ist bereits gekommen“ (1 Kor 10,11). Der Anker symbolisiert die Vorwegnahme der Erlösung, die mit der Auferstehung begonnen hat.

Die Kirchenväter bezeichneten die Kirche nicht nur als Schiff, sondern auch als Hafen. Die Kirche ist jederzeit in ihrer irdischen Existenz gefährdet und zugleich sicher, mitten auf der Fahrt und dennoch im Hafen. Sie nimmt Teil an der Offenbarung, was aber aufgrund des unvollendeten, irdischen Wandels der Kirche noch verborgen bleibt:

„Die Propheten verhüllten alles, was sie sagten und taten, in Gleichnissen und Rätseln, sodass vieles nicht leicht zu entschlüsseln ist. Indem sie die Wahrheit verhüllten, verbargen sie sie, damit derjenige, der sie finden wollte, sich anstrengen musste.“

Diese Anstrengung zeigt sich beispielsweise in der Mühe des Pilgerns – die Kirche pilgert und hat gleichzeitig schon ihr Ziel erreicht.

Der Begriff Hoffnung ist in der Bibel mehrdeutig. Thematisiert wird die Furcht, die Erwartung des Bösen, und die Hoffnung, die Erwartung des Guten; Hoffnung im christlichen Sinn bedeutet freudige und sichere Erwartung ewiger Erlösung. Sie umfasst geduldiges Warten und Ausdauer, sich nicht entmutigen zu lassen.

Im Hebräerbrief wird Hoffnung wie folgt ausgedrückt: "(...) Wir haben einen sicheren und festen Anker für die Seele; er dringt bis hinein in das Innerste des himmlischen Heiligtums, wohin Jesus als Vorläufer für uns eingegangen ist, als Hohepriester auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks.“ (Hebr. 6,19-20).  Dieses Wesen der christlichen Hoffnung spiegelt sich im Logo des Jubiläumsjahres.

In der Verkündigungsbulle für das Heilige Jahr 2025 „Spes non confundit“ (Die Hoffnung enttäuscht nicht") findet sich folgendes Zitat aus dem Römerbrief: „Die Hoffnung enttäuscht nicht, weil Gottes Liebe durch den Heiligen Geist, der uns gegeben wurde, in unsere Herzen ausgegossen ist.“ (Röm 5,5)

Die Rolle des Bootes mit dem Anker – die Verankerung im Inneren des himmlischen Heiligtums, in das Christus den Menschen vorausgegangen ist und wo er sie erwartet – übernimmt die persönliche Gegenwart des Geistes, welche die Menschen allmählich durchdringt. Damit werden die Menschen Teil des verwandelten Leibes Christi, und Gottes Liebe wird zu ihrer täglichen Hoffnung.

Die Kirchenväter sprachen oft von der Rettung der Menschheit im Bild der Arche Noah als Symbol der Kirche. Darin segelt die ganze Menschheit, um im Hafen der Ewigkeit anzulegen. Die Taube kündigt die Beziehung zwischen Gott und den Menschen an.

Die persönliche Verbindung des Menschen mit dem Heiligen Geist (symbolisiert durch die Taube) bildet den sicheren und festen Anker für die Seele.

Die Dynamik der Schöpfung des Menschen nach Gottes Bild und Ebenbild geschieht in vier Phasen:

1.    Die Anerkennung der Andersheit des Anderen (der Andere ist unabhängig von mir);

2.    Der Mensch tritt aus sich heraus, weil er von Liebe berührt wird („Du bist – weil ich nicht Du bin, möchte ich Dich erkennen“); das Andere, um mich selbst tiefer zu entdecken („ich bin zu Mitgefühl und Selbstverleugnung fähig“);

3.   Die Annahme des Anderen („ohne dich bin ich nicht“);

4.   Die Erkenntnis, sich unmittelbar in das Zentrum und Wesen des Erkannten hineinziehen, und sich gleichzeitig erkennen zu lassen.

Der Anker (Hoffnung) ist garantiert

a) durch Christus, der in das „Innerste des himmlischen Heiligtums" eingegangen ist und

b) durch die persönliche Gegenwart des Geistes auf Erden, die dem Menschen die Verbindung zwischen göttlicher und menschlicher Person ermöglicht – durch Beziehung.

Der Mensch trägt seit der Geburt vierfaches Leben:

1.   Biologisches Leben (bios),

2.   Leben des Kindes (zoé),

3.   Leben der Gesellschaft (polis),

4.   Leben der ganzen Welt (oikonomie).

Alles, was Menschen mit Liebe leben, geht mit Christus in Auferstehung über. Die Ewigkeit erschafft Beziehungen, die nicht enden. Der Anker ist Christus, lebendig in der Mitte der Menschen. Seine Gegenwart können sie allein durch den Geist erkennen.

Nach diesem ersten Teil des Vortrags tauschten wir in Kleingruppen anhand von fünf Fragen unsere Erfahrungen über Hoffnung und Pilgerschaft aus.

Dabei ging es um die Themen, die bei Pilgerfahrten wichtig werden können, persönliche Interpretation des Jubiläumsjahr-Logos, Hoffnung der Welt und christliche Hoffnung, sowie die Erkenntnis der persönlichen Gegenwart des Geistes und der Liebe Gottes.

Der zweite Teil des Vortrags behandelte die Entstehung der Hoffnung auf die Auferstehung des Leibes.

Pavel Andros skizzierte zu Beginn kulturelle Veränderungen der westlichen Zivilisation während der letzten Jahrhunderte: Von der Furcht der Menschen in der Antike und im Mittelalter vor Veränderung zum Optimismus im Zeitalter der Moderne, das auf der Hoffnung beruhte, dass das Kommende notwendigerweise besser sein würde als das Vergangene. Von der Erfahrung einer Technik, die in den Kriegen des 20. Jahrhundert gegen die Menschen eingesetzt wurde zum postmodernen Zeitalter, in dem alles zum Spiel wurde, und schließlich zur Informationsüberflutung im postfaktischen Zeitalter der Gegenwart. Letztere führt aus Sicht des Referenten zu einem zynischen Utilitarismus, ausgedrückt in der Hoffnung, das größtmögliche Maß an Nutzen zu erreichen – vielleicht für alle, tatsächlich aber nur für einige Beteiligte.

Bei Christ*innen beobachtet der Vortragende eine Unfähigkeit, die christliche Existenz im Sinne der Auferstehung des Leibes weiterzugeben.  

In der linearen Zeiterfahrung (Chronos) wird das Christentum als Definition und Umsetzung so genannter christlicher Werte erlebt. Im Gegensatz zu Chronos steht Kairos für die Qualität des Augenblicks, oft mit einer bestimmten Bedeutung – und dieses Zeiterleben könnte zu einer Öffnung des ganzen Menschen für die Auferstehung des Leibes verhelfen.

Als Begleiter*innen kommender Generationen sollten die Menschen nicht nach Wegen suchen, andere zu führen, sondern sich von Christus führen zu lassen. Das Leben ist ein Geheimnis, das erst vom Ende her, im Licht seiner Vollendung erkenn- und verstehbar wird.

Die Herausforderung, sich nicht in der Informationsüberflutung zu verirren, beantwortete der Vortragende mit dem Jesus-Wort: „Wenn jemand hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach! Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen und des Evangeliums willen, der wird es retten. Denn was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber seine Seele verliert?" (Mk 8,34-36)

Im Kapitel der Verklärung des Herrn werden die Menschen auf die Hoffnung vorbereitet, die offenbart, „was es heißt, von den Toten aufzuerstehen“ (Mk 9,10).

Auf dem Berg Athos befassten sich Maler insbesondere mit der Ikone der Verklärung des Herrn auf dem Berg Tabor – die Schule für Ikonenmaler vermittelte künstlerisch-technische Unterweisung, verbunden mit Theologie, Liturgiestudium und Gebet. Diese Ikone stellt ein inspirierendes Beispiel der christlichen Tradition dar:

Laut Beschreibung der Kirchenväter sahen die Apostel auf dem Berg der Verklärung eine Vorschau auf die zukünftige Welt nach der Auferstehung der Toten – eine Vision der vollendeten Welt, die ihre endgültige Vollkommenheit erreicht hat. Laut Evangelium wird am Ende der Zeiten die Sonne verfinstert sein (vgl. Mt 24,29), denn Christus, die wahre Sonne, wird in voller Herrlichkeit erscheinen, die Sonne am Himmel war nur ein Symbol. Christus, in Weiß gekleidet, zeigt, dass er das wahre Licht der Welt ist. Am Berg Tabor veränderte sich das Licht, nicht die Form. Die Person Jesu Christi und die ganze Welt wurden in neuem Licht gesehen - was dem Sichtbaren einen neuen Wert verlieh.

Im weltlichen Leben ist der Mensch vom kosmischen Licht der materiellen Realität geblendet. Auf der Ikone blendet die materielle Sonne nicht, sie verdunkelt und wirft Schatten. Nach Lehre der Kirchenväter verdunkelt die leidenschaftliche Betrachtung materieller Dinge die Einsicht in geistliche Wirklichkeiten.

Wenn sich plötzlich die Schönheit der geistlichen Vision zeigt, können Menschen sie nicht ertragen - wie zwei Apostel, die zu Boden fallen. Doch Petrus tritt aus dem Schatten und fängt einen Strahl ein, der von Christus ausgeht. Denn bevor er mit den anderen auf den Berg ging, hatte Petrus seinen Glauben bekannt: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“ (Mt I6, 16). Nach kirchlicher Lehre ist der Glaube der Beginn der seligen Anschauung im Himmel.

Auf einigen Ikonen der Verklärung überträgt das weiße Licht Christi seinen Glanz auch auf die Steine des Berges. Die ganze sichtbare Natur wird so zum Gegenstand natürlicher Kontemplation – einer Schule der Seele zur besseren Erkenntnis des Schöpfers. Dieses Licht durchdringt die Dunkelheit der Welt und des Menschen.

Die Vollendung (das himmlische Jerusalem, wo das Licht das Lamm ist /Offb.21) ist keine „zukünftige Sache“, sondern ist die Person des Gottmenschen Jesus Christus.

Die Hoffnung auf die Auferstehung des Leibes entfaltet sich in persönlichen Begegnungen mit ihm.

So betrachtet, begründet die Ikone der Verklärung ein kontemplatives Lebensprogramm für Christ*innen:

Im Taborlicht wird nicht nur die sich wandelnde Welt erkennbar, es verwandelt auch den Menschen selbst.

Während das Licht Christi alles mit seinen Strahlen erleuchtet und die Wahrheit der geschaffenen Dinge offenbart, ist der Kreis, in dem Christus steht, dunkel: im Kern des verwandelten Lichts ist Dunkelheit. - Gott kann nur erkannt werden, wenn er sich offenbart – aber sein Wesen bleibt geheimnisvoll. In der östlichen Tradition werden bevorzugt für Gott Attribute verwendet wie Du, der Du unerreichbar, unbegreiflich, unveränderlich bist.... Ähnlich wie Moses muss man den Aufstieg auf den Berg – gestützt auf menschliche Fähigkeiten – letztlich verlassen, um Gott zu erkennen.

Das ganze christliche Leben ist im Kern mystisch – es wird von Gottes Liebe bewegt. Auf der Ikone erscheinen daher neben den Aposteln auch Moses und Elias – Symbolfiguren des Gesetzes und der Propheten, die Zeugnis vom göttlichen Christus ablegen. Die Liebe bereitet auf die Offenbarung Gottes vor: Sie befähigt, Einheit zu schaffen, indem sie die Menschen mit göttlichem Licht erfüllt.

Die anschließenden Reflexionen in den Kleingruppen zu diesen Bildern und Gedanken befassten sich mit Licht, Dunkelheit, Verklärung und Mystik.

[1] Anicius Manlius Severinus Boethius, 480/485 – 524/ 526

Diakon Mag. Ing. Rafael Ambros: Erinnerungen an wirkungsvolles zivilgesellschaftliches Engagement für Religionsfreiheit und Menschenrechte in der Zeit des Kommunismus (Impulsreferat zur Frage „Warum wählen die Menschen Parteien, die wir populistisch nennen?)

Anlässlich des 1.100. Todestages des Hl. Method wurden in Velehrad bedeutende Feierlichkeiten abgehalten, zu denen hochrangige Vertreter von Kirche und Staat, wie der Kardinal Staatssekretär des Vatikans Agostino Casaroli, der Kardinal von Prag František Tomášek, und der tschechoslowakische Kulturminister Milan Klusák erwartet wurden.

Offiziell konnte die Regierung der ČSSR nichts dagegen unternehmen, dass sehr viele Menschen planten, an diesen – genehmigten – Feiern teilzunehmen. Nichtsdestoweniger existierte ein Strategiepapier der KP zur Verhinderung der Teilnahme der Menschen. In diesem Dokument war beispielsweise das Vorhaben beschrieben, die Busverbindungen nach Velehrad ausfallen zu lassen. Das Strategie-Papier gelangte zu Samisdat, wurde veröffentlicht und verbreitet, und löste eine starke Protestwelle in der Bevölkerung aus. Die aufgebrachte Stimmung führte dazu, dass noch mehr Menschen als ursprünglich geplant, nach Velehrad reisten; schließlich versammelten sich dort 150.000 bis 200.000 Personen, darunter sehr viele Jugendliche, und die Feierlichkeiten wurden zu einer der größten Demonstrationen gegen die kommunistische Regierung in der Geschichte der ČSSR. Kulturminister Klusák hielt eine Rede, bei der er an Nationalgefühle appellierte und die Feierlichkeiten als Friedensfest bezeichnete. Er wurde ausgepfiffen, und die Menschen forderten in Sprechchören Religionsfreiheit, Bischöfe und einen Besuch des Papstes, dem die Einreise verweigert worden war. Die anschließenden Worte Kardinal Tomášeks wurden hingegen mit Zustimmung und Applaus aufgenommen. Für alle Beteiligten und Beobachter*innen war offensichtlich, dass das Regime nicht mehr glaubhaft machen konnte, „alles unter Kontrolle zu haben“.
Eine nächste große Demonstration, bei der Tausende Personen, darunter viele Menschen aus der katholischen Untergrundkirche, friedlich für Religionsfreiheit und Menschenrechte sowie gegen das kommunistische Regime auftraten, ereignete sich bei der Kerzen-Manifestation am 25.3.1988 in Bratislava. Bis zu 10.000 Bürger*innen versammelten sich mit brennenden Kerzen auf dem Hviezdoslav-Platz. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Schlagstöcke gegen sie ein, um die Manifestation aufzulösen. Es gab jedoch auch ein inoffizielles Programm, an dem viele Gläubige, darunter viele Jugendliche, von Freitag bis Montag teilnahmen und ihren Widerstand ausdrückten. Die Menschen hörten Vorträge, u.a. des slowakischen Salisianerpaters und Menschenrechtsaktivisten Anton Srholec, sangen, beteten und bleiben auch nachts zusammen. Diese Zusammenkunft blieb der Polizei verborgen.
Der 25. März ist heute in der Slowakei der Tag des Kampfes für die Menschenrechte.

Ausflüge und Besichtigungen

Das archäologische Freilicht-Museum Modrá
Die Stelle, an der sich das archäologische Freilicht-Museum nahe bei Velehard befindet, wurde im 10.–7. Jahrhundert v. Chr. und in der darauffolgenden frühen Eisenzeit von von keltischen Gesellschaften besiedelt. Danach war dieses Gebiet jahrhundertelang nicht bewohnt.

Mitte des 4. Jahrhunderts siedelten sich die germanischen Sueben an. Ihnen folgten im 8. Jahrhundert slawische Siedler*innen. Ihre Siedlung gehörte zur Umgebung von Veligrad in Großmähren und erstreckte sich über das Gebiet der heutigen Städte Uherské Hradiště und Staré Město. Im 9. Jahrhundert wurde hier eine Backsteinkirche errichtet, eine der ältesten dieser Region.

Nach dem Untergang Großmährens blieb die Siedlung bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts bestehen. Die Feldforschung zu diesem Thema, die derzeit hauptsächlich vom Zentrum für Slawische Archäologie des Mährischen Museums durchgeführt wird, ist jedoch noch nicht abgeschlossen.

Die Archäoskanzen in Modrá zeigen eine rekonstruierte befestigte Siedlung aus der großmährischen Zeit. Sie wurde auf Grundlage archäologischer Funde errichtet, von denen einige direkt vom Gelände des heutigen Freilicht-Museums stammen. Die Siedlung beinhaltet Wohnhäuser, Werkstätten, Wirtschafts- und Kirchengebäude, darunter den Bischofspalast und die Johanneskirche.

Eine Reise durch Südmähren
Der Ausflug am dritten Tag der slowakisch-österreichischen Begegnungstage führte durch sonnige südmährische Landschaften und Dörfer zunächst nach Strážnice, in ein Pastoralzentrum und ein Weingut.

Die Leiterin des Dekanats-Familienzentrums Blažena Bučková empfing uns in einem wunderschönen großen Garten mit Spielplatz und Volièren. Ihre Botschaft, dass jede*r zum Boten oder zur Botin der Hoffnung werden kann, erläuterte Frau Bučková anhand der Geschichte, der Aufgaben und der Aktivitäten des Zentrums.

Dekanats-Familienzentrum Strážnice
Das Familienzentrum Strážnice ist eines von 21 nach Dekanaten organisierten Familienzentren, die von Erzbischof Jan Graubner im Rahmen der Familienpastoral des Erzbistums Olomouc gegründet wurden.

Organisatorisch ist das Familienzentrum dem Erzbischöflichen Zentrum für Familienleben in Olomouc zugeordnet und setzt in Zusammenarbeit mit dem Dekan (ohne ihm direkt unterstellt zu sein) den Pastoralplan des Erzbistums Olomouc um. Gleichzeitig arbeitet das Zentrum eng mit der Gemeinde und diversen Einrichtungen in Strážnice und Umgebung zusammen – z.B. mit dem Clubhaus der Grundschule.

Im Jahr 2018 wurde der Verein Rodinné centrum Strážnice, z.s. (Familienzentrum Strážnice) gegründet, dessen Aktivitäten eng mit denen des Familienzentrums verknüpft sind. Der Verein wurde gegründet, um Fördermittel für Projekte, beispielsweise von der EU, der Stadt Strážnice und anderen Geldgeber*innen und Spender*innen zu erhalten.

Das Zentrum steht Kindern, Familien, Paaren und Einzelpersonen offen, und bietet spirituelle, kreative und kommunikative Bildungs-Programme und Aktivitäten an. Von kulturellen Veranstaltungen für Kinder und Erwachsene der ganzen Umgebung – oft in Zusammenhang mit religiösen Festen wie Allerheiligen, Weihnachten, Ostern… – über Gespräche, Beratung, Online-Beratung  bis hin zur Sakramenten-Vorbereitung steht das Zentrum der gesamten Gemeinde zur Verfügung. Für die Kinder werden die Feste besonders kreativ gestaltet unter Einbeziehung des Kirchturms, der Natur, der Darstellung von Engeln, Aktivitäten zu den Themen Hoffnung und Auferstehung etc.

Das Zentrum ist darüber hinaus oft erste Anlaufstelle bei sozialen Problemen und stellt den Kontakt zu professionellen Beratungsstellen her. 

Von diesem Zentrum geht ein starkes Engagement von Familien für Familien und die gesamte Gemeinde aus. Es trägt damit wesentlich zur Lebensqualität in Strážnice und den umliegenden Gemeinden bei.

Weingut Víno Botur
Auch das Weingut von Strážnice spiegelt die Arbeit und das intensive gemeinsame Interesse mehrerer Generationen einer Familie. Schon der Großvater interessierte sich leidenschaftlich für Weinbau und Weinherstellung und baute ein Weingut mitten im Ort. Es verarbeitet die Ernte verschiedener kleiner Weinbau-Betriebe aus der Umgebung von Strážnice und Dolní Bojanovice. Die enge Kooperation mit den Besitzer*innen der Weinberge ermöglicht eine besonders aufmerksame und schonende Behandlung der Trauben während des gesamten Wachstums-, Ernte- und Verarbeitungs-Prozesses. Die Weine werden nach der ersten Gärung 12-36 Monate lang in Eichenholzfässern gelagert und dann in Flaschen abgefüllt.

Das Weingut verfügt über mehrere hundert Meter lange Kellergewölbe mit Gängen und Kammern zur Reifung und Lagerung der Weine. In dieser unterirdischen Weinlandschaft befinden sich darüber hinaus ein Teich incl. Wassermann und ein Brunnen – Zeichen für die Verschränkung von alter Baukunst, professioneller Weinherstellung und künstlerischem und humorvollem Ausdruck.  Das Weingut erhielt für die Qualität seiner Weine bereits mehrere Auszeichnungen.

Der Leiter und Önologe des Weinguts Martin Šachinger erläuterte Philosophie und Technik der Weinherstellung, führte durch die unterirdischen Gänge und lud anschließend zu einer Verkostung verschiedener Weine im gemütlichen, originell und ästhetisch gestalteten Gastraum des Weinguts ein.

Nach diesen Besuchen setzten wir unsere Reise durch Südmähren fort und fuhren nach Svatý Antonínek – einem Pilgerort, entsprechend dem Titel der slowakisch-österreichischem Begegnungstage und dem Heiligen Jahr „Pilger der Hoffnung“.

Wallfahrtskapelle Svatý Antonínek auf dem Antonínský kopec
In der Kapelle des Hl. Antonius auf dem Antonínský kopec (Antonius-Berg) feierten wir mit Pater Alois einen Gottesdienst, eingeleitet von persönlichen Erinnerungen einiger Teilnehmer*innen an diesen Ort.

Die Barockkapelle des Hl. Antonius von Padua befindet sich auf dem Antonius-Berg zwischen den Dörfern Ostrožská Lhota und Blatnice pod Svatým Antonínkem. Von dort aus eröffnet sich ein Rundblick auf die südmährische Landschaft, die in Nachmittagssonne dieses Sommertags besonders schön und friedlich wirkte.

Im 18. Jahrhundert ließ Pfarrer Jiří Hnátek die Kapelle restaurieren. Bei den Umbauarbeiten wurde auf dem Berg eine Quelle mit heilkräftigem Wasser entdeckt.

Während der wechselhaften Geschichte der folgenden Jahrzehnte und Jahrhunderte wurde die Kapelle profaniert (unter Josef II), zerstört, zweckentfremdet, neu eröffnet, umgebaut, künstlerisch umgestaltet, und blieb dennoch die ganze Zeit hindurch Ziel religiöser Pilgerfahrten.

Den Pilger*innen kamen zur Verehrung des Hl. Antonius, um darum zu bitten, verlorene Gegenstände wieder zu beschaffen, eine*n Lebenspartner*in zu finden und für Frieden und die Gesundheit der Kinder zu beten. Seit der Entdeckung der Quelle in der Nähe der Kapelle tranken die Pilger*innen das Wasser und wuschen ihre Kinder zur Vorbeugung und Heilung von Krankheiten.

Auch an Tuberkulose und anderen schweren Krankheiten leidende Personen wuschen sich mit dem Wasser und hofften auf Heilung.  Darüber hinaus wurden Felder mit dem Wasser besprengt, um sie vor Hagel zu schützen.

Laut überlieferten Berichten wurden zahlreiche Pilger*innen geheilt.

Der heutige Hauptaltar der Kapelle wurde 1904 aus italienischem Marmor und mährischem Sandstein errichtet, und ist dem Hl. Antonius geweiht. Über dem Altar hängt ein Pilgerbild des Hl. Antonius von Josef Hána aus dem Jahr 1885. Auf diesem Gemälde ist auch zu sehen, wie Blatnická hora damals aussah.

Unterhalb des Gemäldes befindet sich eine Skulptur des Letzten Abendmahls des Strážniceer Baumeisters Slovak aus dem Jahr 1887. Außerdem gibt es zwei Seitenaltäre, die den Heiligen Josef und Maria gewidmet sind, sowie eine Marienstatue aus dem Jahr 1917. Die Kapelle wurde 1937 vom Maler Ježek aus Bystřice pod Hostýnem ausgemalt. Zwei Wandgemälde von Jan Köhler aus Stražovice u Kyjov sind ebenfalls zu sehen. Über dem Marienaltar hängt „Das Wunder von Rimini“, über dem Altar des Hl. Josef die „Fastenpredigt in Padua“. Im Presbyterium ist das unvollendete Gemälde „Der Tod des Hl. Antonius“ ausgestellt.

Im Wallfahrtsbereich befindet sich auch ein Kreuzweg. Der Aufenthalt und die Atmosphäre auf dem Antonínský kopec verhalfen uns zu einem sehr erholsamen und angenehmen Ausklang dieses Ausflugstages.

Allen Organisator*innen, Mitwirkenden und Teilnehmer*innen sei nochmals für die gelungenen 34. slowakisch-österreichischen Seminar- und Begegnungstage sehr herzlich gedankt!

Christine Petioky

© wikimedia/Novak

Hoffnungs-Botschaften
christliches Leben in Europa heute

österreichisch-slowakische Begegnungstage von Mittwoch 30. Juli bis Sonntag 3. August 2025

Hoffnung ist ein wichtiges Kennzeichen christlichen Glaubens. In der aktuellen Zeit der Krisen— ob Europa-Pessimismus, Politik-Verdrossenheit, Klima-Wandel, Gesellschafts-Polarisierung, Orientierungs-Losigkeit— ist davon wenig zu spüren. Biblische Hoffnung verleugnet die schwierigen, dunklen Phasen des Lebens nicht, aber sie wendet den Blick auf die wünschenswerte Zukunft, und gibt so Kraft und Orientierung. Wie können wir Christen zu Hoffnungs-Träger dieser positiven Grundhaltung in Politik, Gesellschaft und Kirche werden? Impulsreferate zu Europa und dem heiligen Jahr „Pilger der Hoffnung“ werden uns zum gemeinsamen Nachdenken und Gesprächen anregen.

© Vock

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Mitarbeitende der SK-Sommertage!

Unser lieber Freund Josef Schmidt, Mitarbeiter im österreichischen Vorbereitungsteam, ist am 26. Juni verstorben.

Nach zwei Operationen, die im Zuge einer längeren Erkrankung notwendig wurden sah es zuerst aus, als würde er sich wieder erholen. Er schrieb Textnachrichten und konnte mit seinen Besucherinnen sprechen. Dann eine Lungenentzündung dazu, die letzlich zum Tod führte.

Wir alle, auch seine Familie, hatten bis vor einigen Tagen gehofft, dass er wieder gesund genug werden würde, um weiter mit uns gemeinsam das zu tun, was ihm immer wichtig war: Menschen zusammenbringen, Gemeinschaft pflegen, allen  in seinem Umfeld beistehen, die krank oder einsam sind. 

Die jährlichen Treffen in der Slowakei, die Freundschaft mit allen, die dort zusammen gekommen sind, eine gute Vorbereitung der Sommerseminare waren ihm ein großes Anliegen. Von ihm kam in den vergangenen Jahren oft der Hinweis auf ein wichtiges Thema, das wir bei den Sommertagen in den Mittelpunkt stellen sollten. Ein großes Anliegen war ihm die Bewahrung der Umwelt und ein nachhaltiger Lebensstil. Vorbildhaft sein Vertrauen auf Gott, seine Spiritualität und seine Liebe zur Kirche.

Wir wünschen ihm Geborgenheit bei Gott, Frieden und ewige Freude!

Im Namen des Vorbereitungsteams

Beatrix Schultes

 

Rückblick auf vergangene österreichisch-slowakische Sommerwochen

Seit 1989 - kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs - gibt es die österreichisch-slowakischen Seminar- und Kulturtage, bei denen sich slowakische und österreichische Familien treffen, um aktuelle Themen zu besprechen, das jeweils andere Land besser kennenzulernen, und auch voneinander zu lernen.
Berichte und Informationen aus den letzten Jahren finden Sie hier.

mz/mz

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